Logenplatz für die Kleinen
Blättert man die aktuellen Monatsblätter deutschsprachiger Bühnen durch, drängt sich der Eindruck auf, dass die Kleinen inzwischen die Größten sind. Kein Haus, das es sich noch leisten könnte, den minderjährigen Nachwuchs bei der Programmgestaltung zu übergehen. Und die Angebotspalette ist so farbig wie bei den «Alten» – sie reicht von Bearbeitungen bekannter Opern bis zu Uraufführungen, von Gesprächskonzerten bis zu Mitmachprojekten.
Hat die Sache unterhaltsame Qualität, lässt sich die Zielgruppe nicht lange bitten: Kaum ein Genre verzeichnet derzeit ähnliche Wachstumsraten wie die Kinderoper.
An der Oper Köln stand das junge Gemüse schon hoch im Kurs, als andernorts Leute unter zwanzig noch eher als Störfaktor galten: 1996 staunte das etablierte Publikum im Rangfoyer nicht schlecht über ein knallbuntes Holztheaterchen, in dem Stücke für Kinder und Jugendliche spielten. Den Anfang machte Strawinskys magische «Nachtigall», es folgte eine Ausgrabung: Bernhard Sekles’ Märchenoper «Die zehn Küsse». Weiter ging es mit Respighis «Dornröschen» und Ravels «Das Kind und der Zauberspuk». Der Laden brummte, sämtliche Vorstellungen (stets zu familienfreundlichen Zeiten) waren ...
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«Ich bin Samiel, ihr habet Teil an mir. Ich bin durch euch und komm’ durch euch zur Tat. Ihr könnt mich sehen. Doch ihr wollt blind nur sein.» Regisseur Wolfgang Lachnitt und sein Dramaturg Bernhard Lenort haben dem Bösen neue Worte in den Mund gelegt. Damit wollen sie sich nicht interpretatorisch aufplustern, nein, die Texte sind einzig dazu gedacht, die krude...
Ich bin sicher», so Hector Berlioz 1861 nach Abschluss der Komposition seiner monumentalen Oper «Les Troyens», «dass ich ein großes Werk geschaffen habe, größer und erhabener als alles, was bis heute geschrieben wurde.» Die Mit- und Nachwelt war anderer Meinung, und so vergingen nach dem Tod von Berlioz genau hundert Jahre, bis «Die Trojaner» endlich ungekürzt zur...
Das entscheidende Kriterium für die Repertoiretauglichkeit einer Barockoper sei nicht die Musik, sondern die Handlung, erklärte René Jacobs einmal. Während nämlich die Musik bei vielen Werken von hoher Qualität sei, besäßen nur wenige Libretti genug dramatische Stringenz, um heute noch auf der Bühne zu überzeugen. Wer einmal versucht hat, sich die Inhaltsangabe...
