Logenplatz für die Kleinen

Wie die Oper Köln und die ­Berliner Philharmoniker um das Publikum von morgen werben

Opernwelt - Logo

Blättert man die aktuellen Monatsblätter deutschsprachiger Bühnen durch, drängt sich der Eindruck auf, dass die Kleinen inzwischen die Größten sind. Kein Haus, das es sich noch leisten könnte, den minderjährigen Nachwuchs bei der Programmgestaltung zu übergehen. Und die ­Angebotspalette ist so farbig wie bei den «Alten» – sie reicht von Bearbeitungen bekannter Opern bis zu Uraufführungen, von Gesprächskonzerten bis zu Mitmachprojekten.

Hat die Sache unterhaltsame Qualität, lässt sich die Zielgruppe nicht lange bitten: Kaum ein Genre verzeichnet derzeit ähnliche Wachstumsraten wie die Kin­der­oper.
An der Oper Köln stand das junge Ge­müse schon hoch im Kurs, als andernorts Leute unter zwanzig noch eher als Störfaktor galten: 1996 staunte das etablierte Publikum im Rangfoyer nicht schlecht über ein knallbuntes Holztheaterchen, in dem Stücke für Kinder und Jugendliche spielten. Den Anfang machte Strawinskys magische «Nachtigall», es folgte eine Ausgrabung: Bernhard Sekles’ Märchen­oper «Die zehn Küsse». Weiter ging es mit Respighis «Dornröschen» und Ravels «Das Kind und der Zauberspuk». Der Laden brummte, sämt­liche Vorstellungen (stets zu familienfreundlichen Zeiten) waren ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Dezember 2007
Rubrik: Magazin, Seite 30
von Albrecht Thiemann

Vergriffen
Weitere Beiträge
Peking Musical

629 Jahre nach Christus bricht der junge Mönch Tripitaka von China in den Westen auf, nach Kaschmir, um buddhistische Schriften zu studieren. Tripitakas meisterliche Übersetzungen indischer Lehre entwickeln sich später zu einer wichtigen Säule des chinesischen Bud­dhismus. Aus diesem historischen Kern entsteht Ende des 16. Jahrhunderts der burleske Roman «Xi You...

Weg mit den bunten Wundertüten

Ob «L’Enfant et les Sortilèges», Ravels «Fantaisie lyrique» eine Kinderoper ist, da­rüber lässt sich trefflich streiten. Nicht zu Unrecht wird heute vermutet, dass Ravel und seine Textdichterin Colette mit ihrem singenden Hausrat und klagenden Getier um einen künstlerischen Ausdruck rangen, der das Grauen des Ersten Weltkriegs ästhe­tisch fassen konnte. In der...

­Die Opernbühne als pädagogische Anstalt

Mit seiner jüngsten Opernausgrabung hat Christophe Rousset ins Schwarze getroffen. Wieder mal. Die zehn Jahre nach Lullys Tod 1697 in Paris uraufgeführte Tragédie lyrique «Vénus et Adonis» des zeitweiligen Hofmusikers Henry Desmarest, den Zeitgenossen «le petit Marais» nannten, folgt dem Modell des großen Schöpfers der französischen Oper, fügt ihr aber eine eigene...