Enttäuschte Liebe
Mozarts Türkenoper «Die Entführung aus dem Serail» zählt zu den Sorgenkindern des Kernrepertoires. Das Problem der Dialoge ist dabei noch älter als das heikle Thema der heute verpönten Orientklischees. Krummsäbel und Turbane bleiben seit langem im Schrank, und die meisten Aktualisierungsversuche ändern oder überschreiben Johann Gottlieb Stephanies Libretto.
Luk Perceval begnügt sich in Mannheim damit nicht, sondern greift in seiner Inszenierung – sie war vor zwei Jahren schon in Genf zu sehen – radikal in die Substanz von Mozarts Singspiel ein.
Die Dialoge ersetzt er durch Reflexionen aus Asli Erdogans Roman «Der wundersame Mandarin», die darin ihre Erfahrungen als junge Physikerin in Genf verarbeitet. Vier der zentralen Figuren (Konstanze, Belmonte, Blondchen und Osmin) verdoppelt er durch Sprechparts, die als gealterte Alter Egos ihrer Figuren deren Tun reflektieren.
Eine solche Verdoppelung ist nicht neu, Hans Neuenfels’ legendäre Stuttgarter Inszenierung hat das bereits 1998 vorexerziert. Aber Perceval geht viel weiter, er entfernt sich durch die neuen Texte, die bestenfalls assoziativ an Mozart anknüpfen, beinahe vollständig von der Erzählung. Zumal er auch die Figur des ...
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Opernwelt 8 2022
Rubrik: Panorama, Seite 50
von Regine Müller
Was für ein Vergnügen. Auf der Bühne wird singend gespielt, dass sich die Bretter biegen. Im Graben wird Klang gegeben, dass es eine Art hat. Und im voll besetzten Zuschauerraum wird herzlich gelacht. Dabei ist das Stück 236 Jahre alt und spiegelt eine gesellschaftliche Konstellation, die es so nicht mehr gibt. Oder eventuell doch? Mozarts Buffa «Le nozze di...
Der Ort ist überwältigend, die reine Natur: unberührt-malerische Landschaft. Das Gebäude hingegen wirkt wie ein Fremdkörper in diesem Idyll, geradezu abstoßend hässlich. Ein schwarzer, mit Bauxit überzogener Betonklotz, Sprayer haben ihre Graffiti-Spuren darauf hinterlassen, und wenn man sich ihm mit tastenden Schritten über die Hügel von Bouches-du-Rhône nähert,...
Herr Goebbels, wie geht es Ihnen bei der Begegnung mit der eigenen Stimme?
Bei all den Stimmen, mit denen ich arbeite, habe ich meine Stimme nie eingesetzt.
Und wenn Sie sie zufällig in Radiointerviews hören?
Ist sie mir fremd. Sie bleibt mir fremd. Wir wissen, warum das so ist, weil die Resonanz des eigenen Körpers fehlt und so weiter.
Stimmen aber faszinieren...
