«Die Dinge finden mich»
Herr Goebbels, wie geht es Ihnen bei der Begegnung mit der eigenen Stimme?
Bei all den Stimmen, mit denen ich arbeite, habe ich meine Stimme nie eingesetzt.
Und wenn Sie sie zufällig in Radiointerviews hören?
Ist sie mir fremd. Sie bleibt mir fremd. Wir wissen, warum das so ist, weil die Resonanz des eigenen Körpers fehlt und so weiter.
Stimmen aber faszinieren Sie. Sie verwenden sie als Originaltöne, als Samples, als Archiv-Fundstücke …
Das reduziert sich aber nicht auf die menschlichen Stimmen.
Ich habe auch viel mit Stimmen von Maschinen und Tieren gearbeitet, überhaupt mit Geräuschen der Dinge. In meinem Stück «Berlin Q-damm 12.4.81» spielt zum Beispiel das Zerspringen der Glasscheiben eine große Rolle. Mein Defizit besteht ja darin, dass ich bei jedem Geräusch immer auch die Tonhöhen mithöre – dadurch habe ich ein sehr ästhetisierendes Verhältnis zu Geräuschen. Und mich interessieren nur solche menschlichen Stimmen, bei denen etwas Zusätzliches mitschwingt. Es geht mir nie nur um Mitteilung, sondern darum, dass man durch die Stimme etwas von der Person ahnt oder versteht, die mit der Stimme vielleicht etwas anderes zum Ausdruck bringt als das, was sie sagt. Mich ...
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Opernwelt 8 2022
Rubrik: Interview, Seite 59
von Stefan Fricke
Frau Wilson, zu Jahresbeginn wurden Sie in Stuttgart für die Titelrolle von Vivaldis «Juditha triumphans» gefeiert. Die Produktion konnte erst nach mehreren Anläufen und monatelanger Pause herausgebracht werden. Wie motiviert man sich nach so langer Zeit für die Premiere?
Ich fand es anfangs schwierig, sich wieder zu motivieren. Ich sagte mir zwar: Okay, wir haben...
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Unter den großen Liedkomponisten des 19. Jahrhunderts ist Franz Liszt der unbekannteste und am meisten unterschätzte. 85 Lieder sind von ihm überliefert, vielfach in mehreren stark voneinander abweichenden Versionen – meist schwergängige, herbe, intellektuell, aber auch vokal anspruchsvoll, da weniger vom Gesang als vom Klavier aus erfundene Kompositionen. Als...
