Entscheidend ist der Klang
Als Joan Sutherland 1969 in Hamburg als Cleopatra in Händels «Giulio Cesare» ihr lange erwartetes Deutschland-Debüt gab, charakterisierte Horst Koegler ihre Erscheinung in der «Stuttgarter Zeitung» folgendermaßen: «Von Gestalt eher eine Walküre ... mit einem etwas planen Gesicht und molligen Armen ... bewegt sie sich mit der Grazie einer leicht übergewichtigen Gazelle.»
Die Frau, die ich fast vierzig Jahre später am Rande des Königin Sonja Gesangswettbewerbs in Oslo zum Interview treffe, entspricht diesem Bild kaum noch.
Sie ist heute eine grazile alte Dame, noch gut auf den Beinen und hellwach im Kopf, die über eine ganz natürliche Aura verfügt und kein Aufhebens um ihre Person macht. Sie scheint nicht in der Vergangenheit zu leben, sondern bewusst im Hier und Heute – eine Frau, für die es auch ein Leben außerhalb der Bühne gibt. Im Gespräch ist sie offen und unkompliziert, gibt bereitwillig Auskunft über Details ihrer Karriere und beantwortet geduldig auch Fragen, die ihr möglicherweise schon hundertmal gestellt wurden. Dabei lässt sie jede Gelegenheit aus, sich ins rechte Licht zu rücken. Sie ist schließlich nicht als ehemalige Jahrhundert-Diva hier, sondern als fachkundige ...
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Der neue Leiter des Edinburgh Festivals, Jonathan Mills, hat in seiner ersten Saison prägnante Akzente gesetzt. Neben der Einführung des Schwerpunkts Alte Musik (der neue Zuhörer ins spätsommerliche Schottland lockte), verfolgte der Australier eine zentrale Programmschiene zum Thema «Vierhundert Jahre Oper». Sie begann mit einer klassizistischen Deutung von...
Der Titel war gut gewählt, denn er formulierte einen ersten Befund: «Angst vor der Zerstörung.» Um Positionen des Musiktheaters (natürlich besonders des Wagner’schen) zwischen Archiv und Erneuerung ging es bei einem hochkarätig besetzten Symposion während der Bayreuther Festspiele. Ein von der FU Berlin und den Festspielen gemeinsam initiiertes Wochenende, bei dem...
