Ensemblekultur stärken
Wie alle freischaffenden Musiker bin auch ich durch den Corona-Ausnahmezustand heftig mit meinem Beruf als Sängerin zeitgenössischer Musik konfrontiert worden. Bisher habe ich ihn immer als Berufung empfunden. Ungeliebte Lücken im Kalender gab es ja schon öfter, aber ein Berufsverbot auf unbestimmte Zeit war nie einkalkuliert.
Aus voller Fahrt ausgebremst, stellte sich erst einmal die Grundsatzfrage, ob man überhaupt noch für den Beruf brennt.
Zum Beispiel: Übe ich, auch wenn kein Konzert in absehbarer Zeit auf mich wartet? Da ich dies für mich glücklicherweise nach einer Weile mit einem leidenschaftlichen «Ja» beantworten konnte, kam als Nächstes die Frage nach der finanziellen Existenz auf. Alle Konzerte und Projekte waren ersatzlos gestrichen. Kein Honorar wurde ausbezahlt.
Wir Solo-Selbstständigen (das Wort habe ich bisher für meinen Berufsstatus gar nicht gekannt) haben keine Lobby. Wir sind Einzelkämpfer und können uns deshalb nicht an eine Gewerkschaft, an einen Sprecher wenden, der für die Lösung unserer Probleme kämpft. Dafür entstanden erstaunlich schnell Initiativen, die die existenziellen Fragen unserer sehr diversen Zunft Politikern vortrugen.
Was könnte man tun, um ...
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Opernwelt September/Oktober 2020
Rubrik: Thema, Seite 45
von Salome Kammer
Musikalischen Bildern der Verrücktheit und des Wahnsinns hat die französische Mezzosopranistin Stéphanie d’Oustrac ihr neues Album gewidmet. Das Außer-sich-Sein und die Liebe liegen in der Kunst wie im Leben nahe beieinander. In einer von La Fontaines Fabeln wird die personifizierte Tollheit, die ihrem Pendant, l’amour, im Streit das Augenlicht geraubt hat, von den...
Michail Glinka war also Antisemit. Und deshalb darf die Berliner U-Bahn-Station «Mohrenstraße» nicht nach der Straße umbenannt werden, in der das Haus liegt, in dem der russische Komponist 1857 starb.
Mit Antisemitismus, Rassismus, Kolonialismus in der Operngeschichte ist es freilich eine vertrackte Sache. In Berlin hält die U-Bahn auch am «Richard-Wagner-Platz»....
Ein Interruptus, den sich Puccini anders vorgestellt hat. Statt Tosca das Messer zücken zu lassen, um Scarpias Fast-Vergewaltigung zu beenden, schneit Freddy mit einem Song auf den Lippen herein. Und das auch noch aus einem anderen Stück, der Muntermacher stammt aus «My Fair Lady». Ein paarmal passiert so etwas an den beiden Abenden. Eben noch umschmeichelt Ortrud...
