Elsa, was tust Du?

Richard Brunel und Stephan Zilias bescheren Hannovers neuem Intendanten Bodo Busse mit einer dialektisch scharfen Lesart von Wagners «Lohengrin» einen Einstand nach Maß

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Die Sentenz sitzt: «Unglücklich das Land, das keine Helden hat. – Unglücklich das Land, das Helden nötig hat.» So hat es Bertolt Brecht einmal notiert, und so könnte auch die Überschrift zur «Lohengrin»-Inszenierung von Richard Brunel lauten, mit der Bodo Busse seine Intendanz an der Staatsoper Hannover eröffnet hat. Ein denk-würdiger Abend im besten Sinne des Wortes. Wer nach Antworten sucht, wird enttäuscht sein.

Aber es gibt einige existenzielle Fragen, die seit Peter Konwitschnys legendärer «Lohengrin»-Lesart in Hamburg 1998 derart dialektisch präzise nicht mehr an das Stück gestellt wurden.

Doch der Reihe nach. Wagners romantische Oper beginnt und endet in der gleichen Tonart. Für Brunel klingt hier keine Erlösung an. Schon das A-Dur des Vorspiels ist, wiewohl von Stephan Zilias und dem delikat musizierenden Niedersächsischen Staatsorchester Hannover in spinnenwebartige Streicherlinien gehüllt, blutdurchtränkt. Eine heftige Szene, die zum einen, was wichtig ist, die Vorgeschichte bebildert und zum anderen eine eklatante psychoanalytische Plausibilität bekundet. Ein Kind wird ermordet – Gottfried, Elsas jüngerer Bruder. Gerade hat sie ihn noch aus seinen Wandkritzeleien ...

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Opernwelt November 2025
Rubrik: Im Focus, Seite 12
von Jürgen Otten

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