Die menschliche Komödie
Der Kaiser ist, Gott sei’s gelobt, nicht nackt. Aber man hat ihm eine neue Rolle zugedacht. Er darf den Frosch in der «Fledermaus» spielen, und, seltene Ehre, das Entrée gestalten. In seiner stattlichen Uniform sieht Alexander Strobele aus wie ein strubbeliges Relikt aus glanzvoll-absolutis -tischen Zeiten, und eben jene beklagt er nun, wissend, dass sie vorbei sind, vermutlich auf ewig.
Dass Stefan Herheim ihn als Conférencier, Gefängniswärter und schwermutgefülltes Faktotum in seine Inszenierung am MusikTheater an der Wien hineingelotst hat, ergibt durchaus tieferen Sinn. Franz Joseph I., mit 68 Jahren Dienstzeit der konditionsstärkste europäische Monarch, erlebte die Uraufführung von Johann Strauß’ dritter Operette unter der musikalischen Leitung des Komponisten am 5. April 1874 noch höchstselbst. Das Problem war nur, dass sich das habsburgische Riesenreich nach dem heftigen Börsenkrach und einer Cholera-Epidemie ein Jahr zuvor in vulne -rablen Zuständen befand. Das wiederum hielt den Kaiser nicht davon ab, seine nationalistische Gesinnung weiterhin offen zu bekennen: «Ich bin vor allem Österreicher», so hatte er sich bereits 1862, vier Jahre vor der Königgrätzer ...
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Opernwelt November 2025
Rubrik: Im Focus, Seite 4
von Jürgen Otten
Die Premiere von Verdis «Simon Boccanegra» am 12. März 1857 im venezianischen Teatro La Fenice war, zumindest im Urteil ihres Schöpfers, ein «Fiasko». Das Stück enthielt, anders als die drei vorausgegangenen Meisterwerke «Rigoletto», «Il trovatore» und «La traviata», keine eingängigen, populären Melodien, war von düsterer Stimmung, zudem durch eine schwer...
Man(n) trägt Perücke. Irgendwann im ersten Akt lässt sich auch der Kritiker von einer Mitwirkenden eine solche andienen: Modell mondäne Allongeperücke, ins Horizontale gerückt. Jetzt gehört man also dazu, zu Mahagonny, dieser seltsamen Stadt, in der man schon auf dem Vorplatz des Theaters Basel begrüßt wurde: «Willkommen in Mahagonny, willkommen daheim». Daheim?
Ir...
Es fängt gemächlich an. Dem Stück fehlt eine zündende Ouvertüre, wie sie Reznicek für seine «Donna Diana» – dank Angelo Neumanns Anregung – nachgeliefert hatte. Doch entschädigt der «Till Eulenspiegel» Ende des ersten Akts großzügig: Der durch Gezwitscher charakterisierte Spaßvogel resümiert sein Glaubensbekenntnis, indem er eine altertümliche Weise anstimmt,...
