Die menschliche Komödie

Wien bleibt Wien, wie es singt und lacht: Stefan Herheim bringt am MusikTheater an der Wien die «Fledermaus» zum Tanzen, Dirk Schmeding verschludert an der Staatsoper die «Verkaufte Braut», Marcos Darbyshire beflügelt in der Kammeroper Rossinis «L’occasione fa il ladro», und Lotte de Beer macht an der Volksoper die «Zauberflöte» kindgerecht

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Der Kaiser ist, Gott sei’s gelobt, nicht nackt. Aber man hat ihm eine neue Rolle zugedacht. Er darf den Frosch in der «Fledermaus» spielen, und, seltene Ehre, das Entrée gestalten. In seiner stattlichen Uniform sieht Alexander Strobele aus wie ein strubbeliges Relikt aus glanzvoll-absolutis -tischen Zeiten, und eben jene beklagt er nun, wissend, dass sie vorbei sind, vermutlich auf ewig.

Dass Stefan Herheim ihn als Conférencier, Gefängniswärter und schwermutgefülltes Faktotum in seine Inszenierung am MusikTheater an der Wien hineingelotst hat, ergibt durchaus tieferen Sinn. Franz Joseph I., mit 68 Jahren Dienstzeit der konditionsstärkste europäische Monarch, erlebte die Uraufführung von Johann Strauß’ dritter Operette unter der musikalischen Leitung des Komponisten am 5. April 1874 noch höchstselbst. Das Problem war nur, dass sich das habsburgische Riesenreich nach dem heftigen Börsenkrach und einer Cholera-Epidemie ein Jahr zuvor in vulne -rablen Zuständen befand. Das wiederum hielt den Kaiser nicht davon ab, seine nationalistische Gesinnung weiterhin offen zu bekennen: «Ich bin vor allem Österreicher», so hatte er sich bereits 1862, vier Jahre vor der Königgrätzer ...

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Opernwelt November 2025
Rubrik: Im Focus, Seite 4
von Jürgen Otten

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