Die menschliche Komödie
Der Kaiser ist, Gott sei’s gelobt, nicht nackt. Aber man hat ihm eine neue Rolle zugedacht. Er darf den Frosch in der «Fledermaus» spielen, und, seltene Ehre, das Entrée gestalten. In seiner stattlichen Uniform sieht Alexander Strobele aus wie ein strubbeliges Relikt aus glanzvoll-absolutis -tischen Zeiten, und eben jene beklagt er nun, wissend, dass sie vorbei sind, vermutlich auf ewig.
Dass Stefan Herheim ihn als Conférencier, Gefängniswärter und schwermutgefülltes Faktotum in seine Inszenierung am MusikTheater an der Wien hineingelotst hat, ergibt durchaus tieferen Sinn. Franz Joseph I., mit 68 Jahren Dienstzeit der konditionsstärkste europäische Monarch, erlebte die Uraufführung von Johann Strauß’ dritter Operette unter der musikalischen Leitung des Komponisten am 5. April 1874 noch höchstselbst. Das Problem war nur, dass sich das habsburgische Riesenreich nach dem heftigen Börsenkrach und einer Cholera-Epidemie ein Jahr zuvor in vulne -rablen Zuständen befand. Das wiederum hielt den Kaiser nicht davon ab, seine nationalistische Gesinnung weiterhin offen zu bekennen: «Ich bin vor allem Österreicher», so hatte er sich bereits 1862, vier Jahre vor der Königgrätzer ...
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Opernwelt November 2025
Rubrik: Im Focus, Seite 4
von Jürgen Otten
Ein riesiger rosa Elefant stolziert vor unserem inneren Ohr durch die Oper von Oslo. Das Tier trägt den Namen «Richard Wagner». Das Geheimnis hinter der Erscheinung hat zunächst mit Antonín Dvořáks Märchenoper «Rusalka» zu tun, deren wunderbare Musik in sanft romantischem Glühen von der Sehnsucht spricht. Es hat aber auch mit dem Chefdirigenten des Hauses zu tun:...
Goethes begrenztes Musikverständnis zu bemängeln, gehörte lange Zeit zum guten Ton seiner Kritiker. Beethovens Fünfte war ihm zu titanisch, Schuberts «Erlkönig» fand er «detestabel», das Urteil über die «Huit scè-nes de Faust» von Berlioz überließ er Zelter, der darin nur «Husten, Schnauben, Krächzen und Ausspeien» hörte. Andererseits spielte Goethe passabel...
In der Besänftigung liegt die Kraft: «This theatre is earthquake-safe», leuchtet es auf dem Übertitel-Display des Opera Palace des New National Theatre in Tokio. Eine Ansage, die in Japan wahrscheinlich reine Routine ist, erscheint an diesem Abend geradezu programmatisch. Immerhin steht uns ein Ritt durch die Hölle bevor – und wer weiß schon, ob danach noch ein...
