Akute Brandgefahr
Eine Oper, die vom ersten bis zum letzten Takt in einer Küche spielt: Allein das hat schon Seltenheitswert. In ihrer Inszenierung von Mieczysław Weinbergs «Wir gratulieren!», die am Pfalztheater Kaiserlautern herauskam (in einer Kammerfassung von Henry Koch), lässt die Regisseurin Astrid Vosberg das Publikum direkt in die Töpfe schauen. Der schachbrettartige Bühnenboden beginnt unmittelbar an der ersten Sitzreihe und läuft im spitzen Winkel auf einen abstrakten Backofen zu.
Hinter einem Vorhang, der im imposanten Bühnenraum von Marcel Zaba eine zweite erhöhte Ebene abtrennt, flackert feuerrotes Licht. Dort oben ist das Reich der «Madame», die mit gellenden Tiraden ihre Köchin Bejlja und das Dienstmädchen Fradl drangsaliert. Die schimpfen unten im Küchentrakt zusammen mit dem fliegenden Buchhändler Reb Alter und dem Diener Chaim auf die reichen Herrschaften im Obergeschoss. Eine hitzige Diskussion am Küchentisch, in deren Verlauf zwei verliebte Paare zueinander finden: Damit ist die Handlung der 1983 in Moskau uraufgeführten Oper, die auf dem Theaterstück «Mazl tov» des jüdischen Autors Scholem Alejchem basiert, auch schon erzählt.
Auf den ersten Blick wirkt das Stück wie eine ...
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Opernwelt November 2025
Rubrik: Panorama, Seite 55
von Silvia Adler
Extrem
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