Elektra
Frau Herlitzius, Ihr Operndebüt absolvierten Sie mit 30 Jahren relativ spät. Brauchen große Stimmen länger?
Ja, natürlich. Das Wissen darum scheint allerdings etwas verloren gegangen zu sein ... Es ist ja ein gewaltiger Unterschied, ob Sie eine Vespa fahren oder einen Schwerlaster. Und das Ziel ist, den Schwerlaster genauso flexibel zu lenken wie die Vespa. Es geht darum, die ganze Bandbreite einer Stimme, die Farben und Dynamik aufzuschließen.
Fast alle großen Stimmen, die ich kenne, verfügten am Anfang nur über ungeordnetes, formloses Material, das heftig nach oben oder unten ausschlug. Oft handelt es sich dabei um sogenannte «kurze» Stimmen, denen es zunächst mal an Schönheit und Liebreiz mangelt. Das entwickelt sich erst im Zuge der Ausbildung – und dauert im Schnitt sechs Jahre. Man braucht dafür Ruhe und Zeit, auch für «Irrwege». Deshalb halte ich den Bachelor-Studiengang für Sänger für höchst problematisch.
Wie sah Ihr Material aus?
Als ich mit dem Singen anfing, hatte ich ein zweigestrichenes G und ein eingestrichenes C. Zur Aufnahmeprüfung habe ich dann Blondchen (mit dem hohen E) und Verkaufte Braut gesungen, hätte aber auch Orpheus singen können. Im Studium dann die ...
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Opernwelt Januar 2014
Rubrik: Magazin, Seite 71
von Kai Luehrs-Kaiser, Albrecht Thiemann
Mit Andrea Moses in Stuttgart und Christof Loy an der Deutschen Oper Berlin haben fast gleichzeitig zwei Regisseure zu Verdis «Falstaff» gegriffen, die bisher nicht gerade als Komödianten hervorgetreten sind. Verdis bitterböses Weltabschiedswerk mit seiner verführerischen Mischung aus schauspielhaftem Tempo und musikalischer Beweglichkeit ist szenisch schwer zu...
Die letzten Dinge. Haben sie eine besondere Kraft, oder neigen wir dazu, sie ihnen anzudichten? Händel konnte die Uraufführung seines letzten originalen Oratoriums «Jephtha» im Februar 1752 nur noch mit Mühe dirigieren. «He breaks very much & I think he is quite blind in one eye», beobachtete der Gelehrte James Harris. Purcell hatte 1695 noch weniger Glück mit «The...
Sie sind jung. Sie sind preiswert. Sie sind mutig. Sagen immer dankbar ja. Auch zu Rollen, für die es eigentlich viel zu früh ist. Junge Sänger wissen: Sagen sie nein, warten hundert andere – und sie selbst fliegen vielleicht vom Karussell. Auf Nimmerwiedersehen. Jugendwahn, Zynismus, Wegwerfmentalität gehören im Umgang mit Sängern leider immer häufiger zum Alltag....
