Elektra

Wer als Hochdramatische unterwegs ist, lebt gefährlich. Die Sopranistin Evelyn herlitzius weiß das nur zu gut. Viele Jahre wurde sie fast ausschließlich für Wagner gebucht. Nach ihrer grandiosen Elektra in Aix singt sie die Strauss-Partie nun auch in Dresden. Am Pult der Staatskapelle steht Christian Thielemann. Die Premiere der Neuproduktion ist für den 19. Januar geplant.

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Frau Herlitzius, Ihr Operndebüt absolvierten Sie mit 30 Jahren relativ spät. Brauchen große Stimmen länger?

Ja, natürlich. Das Wissen darum scheint allerdings etwas verloren gegangen zu sein ... Es ist ja ein gewaltiger Unterschied, ob Sie eine Vespa fahren oder einen Schwerlaster. Und das Ziel ist, den Schwerlaster genauso flexibel zu lenken wie die Vespa. Es geht ­darum, die ganze Bandbreite einer Stimme, die Farben und Dynamik aufzuschließen.

Fast alle großen Stimmen, die ich kenne, verfügten am Anfang nur über ungeordnetes, formloses Material, das heftig nach oben oder unten ausschlug. Oft handelt es sich dabei um sogenannte «kurze» Stimmen, denen es zunächst mal an Schönheit und Liebreiz mangelt. Das entwickelt sich erst im Zuge der Ausbildung – und dauert im Schnitt sechs Jahre. Man braucht dafür Ruhe und Zeit, auch für «Irrwege». Deshalb halte ich den Bachelor-Studiengang für Sänger für höchst problematisch.

Wie sah Ihr Material aus?

Als ich mit dem Singen anfing, hatte ich ein zweigestrichenes G und ein eingestrichenes C. Zur Aufnahmeprüfung habe ich dann Blondchen (mit dem hohen E) und Verkaufte Braut gesungen, hätte aber auch Orpheus singen können. Im Studium dann die ...

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Opernwelt Januar 2014
Rubrik: Magazin, Seite 71
von Kai Luehrs-Kaiser, Albrecht Thiemann

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Sie sind jung. Sie sind preiswert. Sie sind mutig. Sagen immer dankbar ja. Auch zu Rollen, für die es eigentlich viel zu früh ist. Junge Sänger wissen: Sagen sie nein, warten hundert andere – und sie selbst fliegen vielleicht vom Karussell. Auf Nimmerwiedersehen. Jugendwahn, Zynismus, Wegwerfmentalität gehören im Umgang mit Sängern leider immer häufiger zum Alltag....