Frankfurt: Böse Soap
Das Bild vom Kreator der «Reformoper» war lange musikgeschichtlich so verfestigt, dass der «andere» Gluck ganz in Vergessenheit geriet. Dass mit dem (1750 in Prag uraufgeführten) «Ezio» nun ein früheres Gluck-Stück wiederentdeckt wurde, liegt wohl ebenso an der gewachsenen Geltung der Barockoper wie an der postmodern erweiterten Bewertung des Komponisten. Und die Neugier auf diesen typisch vom Zeitstil des frühen 18. Jahrhunderts bestimmten Gluck ist nur zu berechtigt. Auch mit dem vielfach vertonten Libretto von Pietro Metastasio steht er präsentabel da.
Vier Männer und zwei Frauen werden so ausführlich (dreieinviertel Stunden) gegeneinander ins Feld geführt, bis alle erdenklichen Konstellationen und Spannungsmomente ausgeschöpft erscheinen. Dabei wird säuberlich das Tabu beachtet, dass der Herrscherfigur kein Haar gekrümmt werden darf. Zu Tode geht hier keiner – obwohl es sozusagen alle bei allen (außer, sie wären unglücklich Liebende) darauf anlegen.
Die alchemistische Kunst, funkelnd bösartige Soap Operas zu konzipieren, beherrschte man also lange vor Hollywood. Und mit seinen virtuos auf (künstlichen) Gefühlsklaviaturen spielenden höfischen Scharaden ist Metastasio wohl auch ...
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Opernwelt Januar 2014
Rubrik: Panorama, Seite 36
von Hans-Klaus Jungheinrich
Manche Opernhäuser haben nicht nur ihre Säulenheiligen, die Bayerische Staatsoper etwa mit Mozart, Wagner und Strauss, sie hegen auch noch ihre heiligen Stücke. Und das müssen nicht unbedingt die Hits sein. Es können – wieder Beispiel München – auch auskragend komplexe, denk- und fragwürdige Dramen wie «Die Frau ohne Schatten» von Richard Strauss und Hugo von...
Es beginnt ohne Orchester mit einem faszinierenden Klangsymbol. Eine knabenhaft helle, gleißende Sopranlinie fährt wie ein Lichtbogen durch den dunklen Raum. Auffällig an dem ansonsten schlichten Melisma das Tritonus-Intervall, als traditioneller diabolus in musica hier Vorbote von Verhängnis. Tatsächlich erscheint das periodisch im Stück wiederkehrende...
Das war knapp. Kurz vor Toresschluss des Wagner-Jahres hat das Staatstheater Nürnberg den Finger gehoben: Ja, auch dort muss ein neuer «Ring des Nibelungen» sein, bis zur Spielzeit 2015/16 wird er geformt. Es ist die dritte bayerische Tetralogie in kurzer Zeit, nach der mäßigen Münchner und der szenisch verunfallten Bayreuther. Und noch immer hallt dabei die...
