Bratislava: Der unverwüstliche Wüstling
Es beginnt ohne Orchester mit einem faszinierenden Klangsymbol. Eine knabenhaft helle, gleißende Sopranlinie fährt wie ein Lichtbogen durch den dunklen Raum. Auffällig an dem ansonsten schlichten Melisma das Tritonus-Intervall, als traditioneller diabolus in musica hier Vorbote von Verhängnis. Tatsächlich erscheint das periodisch im Stück wiederkehrende Vokalzeichen, zunächst nur sanft verhallend, von Mal zu Mal verzerrter, schließlich klirrend-fröstelig und markerschütternd gruselig wie die nervenrüttelnde Horror-Soundscape eines David-Lynch-Films.
Die dramaturgische Funktion dieses «Leitmotivs» ist sonnenklar: Es geht um die opernhaft-akustische Kennzeichnung dessen, was mit dem fatalen Porträt Dorian Grays geschieht. Während dieser leibhaftig als unveränderlich ephebenhaft strahlender Beau eine Bahn der Ausschweifungen, ja des Verbrechens durchläuft, setzen sich die Spuren dieses Lebens in dem Bildnis ab, das, damit gewissermaßen zum sündentragenden Lammgottes werdend, zunehmend Fürchterliches offenbart. Schließlich wird es für Dorian so zum Menetekel, dass er mit einem Messer auf die Leinwand einsticht – und dabei sich selbst tötet. In Verfilmungen des Oscar-Wilde-Stoffes erlebt ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Januar 2014
Rubrik: Panorama, Seite 35
von Hans-Klaus Jungheinrich
Wer vieles bringt», sagt der Theaterdirektor in Goethes «Faust»-Vorspiel, «wird manchem etwas bringen; und jeder geht zufrieden aus dem Haus. Gebt ihr ein Stück, so gebt es gleich in Stücken. Solch ein Ragout, es muss euch glücken.» Das Stück heißt «Die Stimme», und es verspricht viel, zielt im Grunde auf alles, was die vox humana betrifft: «Grundlagen –...
Schon wenn wir das Freiburger Theater betreten, sitzt er vorm Vorhang. Später streift er wie ein Geist, wie ein lebender Fingerzeig umher, und wenn nicht, lehnt er hinten an Stefan Rieckhoffs Rundhorizont. Herzog Friedrich von Österreich ist immer dabei. Von den Franzosen ermordet, beherrscht er das Fühlen und Trachten seiner Schwester Elena in jedem Augenblick....
Ignacy Ian Paderewski (1860-1941) ist als herausragender Klavier-Virtuose in die Musikgeschichte eingegangen, einige Aufnahmen haben sein Können und seine Eigenart für die Nachwelt festgehalten. Für die Polen aber war er viel mehr als ein Pianist: ein nationaler Heros, einige Jahre sogar Ministerpräsident seines Heimatlandes. Und auch das Komponieren betrieb er...
