Elektra - The Sequel
Man sollte nichts tun, worüber man nicht nach Tisch reden kann, schrieb Oscar Wilde. Insoweit sollte man Orest besser nicht zum Dinner laden, denn seine Tat – der Muttermord – eignet sich kaum zum Small Talk. Die Erinnyen, die ihn in Form eines abgrundschlechten Gewissens verfolgen, sind jedenfalls erzürnt. Apollo, der ihn zu dieser Tat anstiftete, zieht sich auf Politikerart aus der Affäre und lässt Orest mit seinen Skrupeln allein.
Und die rachebesessene Schwester Elektra treibt das Spiel sogar noch weiter: Helena, die ihrem Gatten Menelaos schließlich nach Argos folgte, und ihre Tochter Hermione sollen die nächsten Opfer sein. All dies ist Gegenstand von Manfred Trojahns Oper «Orest», die 2012 in der Kritikerumfrage von «Opernwelt» zur «Uraufführung des Jahres» gewählt wurde. Während Katie Mitchell anlässlich der Amsterdamer Uraufführung 2011 die Handlung in einem bürgerlichen Heim ansiedelte, verlegte Philipp M. Krenn das Geschehen für die Österreichische Erstaufführung durch die Neue Oper Wien in eine heruntergekommene U-Bahn-Station (Ausstattung: Nikolaus Webern), die offenbar von keinem Zug mehr angefahren wird. Eine
Beckett-Situation. Die Aufführung war konzentriert und ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Januar 2015
Rubrik: Magazin, Seite 77
von Gerhard Persché
Bei der Inszenierung von komischen Opern ist Logik nicht das oberste Gebot. Wenn’s gefällt, lässt man sich manche Ungereimtheit gern gefallen. Wenn nicht, verzeiht man weniger.
Davide Livermore hat in Pesaro Rossinis «L’italiana in Algeri», diese aberwitzige Buffa über den Clash der Kulturen, in eine künstliche Comic- und Kinowelt der 60er-Jahre übertragen –...
Verkannt, versucht, für gut befunden
Üblicherweise streicht Gluck das Lob für die Opernreform im 18. Jahrhundert ein. Dabei war er nicht der Einzige, ja nicht einmal der Erste. Was trug zum Beispiel der Italiener Niccolò Jommelli dazu bei? Sergio Morabito hat im Vorfeld der Stuttgarter Neuproduktion von «Berenike» nachgeforscht.
Vagabunden
Das Staatstheater am...
Vierhundertfünfzig Musiker wurden bei der Uraufführung gebraucht, darunter hundert Streicher, dreizehn Harfen und dreihundert Bläser, zusätzlich noch Chor und Gesangssolisten. Die Rede ist nicht von Hector Berlioz’ «Te Deum» oder dessen Requiem. Die Rede ist von der Oper «Prométhée», vollendet im Jahr 1900 von jenem französischen Komponisten, der dem Monumentalen,...
