Erlaubt ist, was gefällt

Drei Regieversuche mit der Opera buffa und ein Belcanto-Fundstück

Opernwelt - Logo

Bei der Inszenierung von komischen Opern ist Logik nicht das oberste Gebot. Wenn’s gefällt, lässt  man sich manche Ungereimtheit gern gefallen. Wenn nicht, verzeiht man weniger.

Davide Livermore hat in Pesaro Rossinis «L’italiana in Algeri», diese aberwitzige Buffa über den Clash der Kulturen, in eine künstliche Comic- und Kinowelt der 60er-Jahre übertragen – freilich ohne ihr neue Aspekte abzugewinnen. Statt auf Charakter- oder Situationskomik setzt er auf action, die Dauerchoreografie nervt bald ebenso wie die grelle Kostümierung.

Die Sänger indes tragen das schräge Konzept, allen voran der wendig-komödiantische Alex Esposito als Mustafa, der auch über beträchtliche vokale Agilität verfügt. Mit Abstrichen gilt das auch für Anna Goryachova als Isabella, deren Tiefe noch entwicklungsfähig ist, und den höhensicheren Tenor Yijie Shi als Lindoro. Reine Freude bereitet das delikate Orchesterspiel unter José Ramón Encinar.

Mariame Clément geht in ihrer Inszenierung von Donizettis »Don Pasquale» beim Glyndebourne Festival den umgekehrten Weg. Statt den Plot näher an unsere Gegenwart zu rücken, blickt sie zurück auf die Epoche des Ancien Régime. Eine adlige Rokoko-Gesellschaft, die hier an ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Januar 2015
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 22
von Ekkehard Pluta

Weitere Beiträge
Mit vollem Risiko

Es ist eine seit Jahrzehnten, erst auf Langspielplatte, dann auf CD vertriebene Referenzaufnahme: «Tannhäuser» wurde 1962 bei den Bayreuther Festspielen unter der Leitung von Wolfgang Sawallisch mit­geschnitten, Wolfgang Windgassen sang die Titelpartie, Anja Silja die Elisabeth, Grace Bumbry war die berühmte «Schwarze Venus», Eberhard Wächter der Wolfram. Die...

Der Reiz des Androgynen

Der Siegeszug der Countertenor-Stimme hat nicht nur unser Bild von der Barockmusik, sondern auch die Ästhetik des Gesangs verändert. Der verführerische, zwischen den Geschlechtern oszillierende Reiz des Androgynen, der im Barock von den Kastraten und ihrem Gesang ausstrahlte, hat auch uns wieder ergriffen. Transgender ist heute nicht nur ein Stichwort des...

Verbissener Bastler

Als «Schöpfer eines ganz neuen Geschmacks» hat der schwäbische Dichter und Rebell Schubart den von 1753 bis 1769 am Stuttgarter Hof wirkenden Niccolò Jommelli gerühmt. Wie der erfolgreichere Gluck hat auch Jommelli die Opernreform vorangetrieben, indem er die musikalische Dramaturgie der starren italienischen Seria nach dem Vorbild der französischen Tragédie...