Der große Unbekannte
Vierhundertfünfzig Musiker wurden bei der Uraufführung gebraucht, darunter hundert Streicher, dreizehn Harfen und dreihundert Bläser, zusätzlich noch Chor und Gesangssolisten. Die Rede ist nicht von Hector Berlioz’ «Te Deum» oder dessen Requiem. Die Rede ist von der Oper «Prométhée», vollendet im Jahr 1900 von jenem französischen Komponisten, der dem Monumentalen, jeder protzenden Pose, allem Lauten und Sensationellen am wenigsten zugeneigt war: Gabriel Fauré.
Ein reicher Gutsbesitzer und Weinbauer, Fernand Castelbon, hatte den musikalischen Meister der Nuance, der intimen Lyrik, der diskreten Anspielung dazu gewinnen können, für seine Sommerfestspiele in Béziers ein Stück zu schreiben, das in Besetzung und Satztechnik die urtypischen Genregesetze einer Freiluftoper erfüllte.
Jean-Michel Nectoux widmet dieser Oper in seiner großen Fauré-Monografie ein eigenes Kapitel, schildert den panoramaartigen, hollywoodähnlichen Stil der Inszenierung, die in den beiden Uraufführungsvorstellungen, Ende August 1900, sage und schreibe 17 000 Menschen anzog, und beglaubigt diese Schilderungen durch ein Schwarzweißfoto, das uns eine Szene zeigt wie aus einem frühen amerikanischen Sandalenfilm. Wenn ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Januar 2015
Rubrik: Buch des Monats, Seite 27
von Jan Brachmann
Wieder so ein Missverhältnis auf dem CD-Markt, jenes zwischen der tatsächlichen Bedeutung des Stars und dem Widerhall auf Silberscheibe. Wer auch immer daran schuld ist, schlafende Plattenfirmen oder eine übervorsichtige Sopranistin: 14 Jahre jedenfalls ist es her, dass Dorothea Röschmann ein Solo-Album mit deutschen Arien von Händel vorgelegt hat. Und jetzt erst,...
Glucks erste große Reformoper, in deren Zentrum der mythische Sänger Orpheus steht, kennt man in zwei Fassungen – der 1762 in Wien uraufgeführten italienischen Azione teatrale und der 1774 in Paris aus der Taufe gehobenen französischen Tragédie-opéra. Dass es noch eine dritte gibt, war bisher nur Spezialisten bekannt. Als Gluck 1769 den Auftrag annahm, für Parma im...
Das musste wohl so kommen. Nach dem erzwungenen Abbruch seiner Arbeit am Bayreuther «Parsifal» revanchierte sich Jonathan Meese auf seine Art: In der Modern Art Gallery in London zeigt er Katharina Wagner als blonde Bratwurst. «Die Tage der angeblichen Wagnerführung sind gezählt», wetterte er zuletzt von München aus in Richtung Bayreuth, «man muss halt wissen, was...
