Der große Unbekannte
Vierhundertfünfzig Musiker wurden bei der Uraufführung gebraucht, darunter hundert Streicher, dreizehn Harfen und dreihundert Bläser, zusätzlich noch Chor und Gesangssolisten. Die Rede ist nicht von Hector Berlioz’ «Te Deum» oder dessen Requiem. Die Rede ist von der Oper «Prométhée», vollendet im Jahr 1900 von jenem französischen Komponisten, der dem Monumentalen, jeder protzenden Pose, allem Lauten und Sensationellen am wenigsten zugeneigt war: Gabriel Fauré.
Ein reicher Gutsbesitzer und Weinbauer, Fernand Castelbon, hatte den musikalischen Meister der Nuance, der intimen Lyrik, der diskreten Anspielung dazu gewinnen können, für seine Sommerfestspiele in Béziers ein Stück zu schreiben, das in Besetzung und Satztechnik die urtypischen Genregesetze einer Freiluftoper erfüllte.
Jean-Michel Nectoux widmet dieser Oper in seiner großen Fauré-Monografie ein eigenes Kapitel, schildert den panoramaartigen, hollywoodähnlichen Stil der Inszenierung, die in den beiden Uraufführungsvorstellungen, Ende August 1900, sage und schreibe 17 000 Menschen anzog, und beglaubigt diese Schilderungen durch ein Schwarzweißfoto, das uns eine Szene zeigt wie aus einem frühen amerikanischen Sandalenfilm. Wenn ...
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Opernwelt Januar 2015
Rubrik: Buch des Monats, Seite 27
von Jan Brachmann
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Zwei Extremisten am Werk, lustvoll hier, qualvoll dort. War es dasselbe Stück, Mozarts Oper aller Opern? In Berlin tobt Slapstick über die Bühne, in Brüssel überrollt ein Sexualalptraum das Publikum. Rabiat entgrenzt beide Versionen – Lichtjahre entfernt von jeder einfühlenden Aufführungstradition. Felsenstein, Konwitschny, Sellars, Chéreau, Brook – weggeschoben....
