Einmal Hölle und zurück

Steen-Andersen: Don Giovanni aux Enfers an der Oper Straßburg

Opernwelt - Logo

Madamina, il catalogo è questo»: In Simon Steen-Andersens neuem Musiktheater «Don Giovanni aux Enfers» wird Leporellos berühmte Arie nicht aufgeführt. Stattdessen erleben wir einen Katalog von derart vielen Opernzitaten, dass dieses Werk mit dem Untertitel «Aller-retour aux enfers lyriques en un acte» (Hin und zurück in die lyrische Hölle in einem Akt) beinahe wie ein großes Opernquiz anmutet. Doch keine Sorge: Auch Anfänger können sich an der Straßburger Aufführung erfreuen.

«Don Giovanni aux Enfers» wird mit einer Prise Humor und einem äußerst virtuosen Einsatz von Multimedia präsentiert, den der deutsch-dänische Komponist meisterhaft beherrscht. Steen-Andersens solitäre Kompositionsmethode basiert ausschließlich auf musikalischen objets trouvés, sie verklammert Fragmente von etwa 40 Opern aus vier Jahrhunderten der Musikgeschichte. Mal handelt es sich um ganze Szenen, mal um einzelne Phrasen oder Worte, doch immer sind sie von der originalen Musik untermalt.

Die Handlung dreht sich um die Titelfigur aus Mozarts «Don Giovanni»; dessen Dinner-Szene mit der Ankunft des steinernen Gastes wird zu Beginn fast vollständig übernommen. Doch die Geschichte nimmt eine unerwartete Wendung, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt November 2023
Rubrik: Panorama, Seite 60
von Stefano Nardelli

Weitere Beiträge
In der schönen blauen Donaumonarchie

Untot, tot oder doch nur totgesagt? Lange hat sich die Operette in den Spielplänen wacker gehalten, brachte Quote und lockte ein Publikum in das Theater, dem Oper zu schwer und das zeitgenössische Musical zu modern war – weil sie ein Bedürfnis nach Eskapismus stillte. Sie war Prototyp einer frühen Popkultur, sprach sogar lange eine jüngere Generation an. Doch die...

Bayerische Talentschmiede

Als Volkstheater war das heutige Staatstheater am Gärtnerplatz konzipiert, als es 1865 in München eröffnet wurde. Seitdem hat es wechselhafte Geschicke durchlaufen, aber als Faustregel galt immer: Dem Haus ging es umso besser, je stärker es sich schon im Repertoire von der größeren, finanziell bessergestellten Bayerischen Staatsoper in derselben Stadt absetzte. Je...

Parallelwelten

Das sagt sich nicht», antwortet sein Mentor Gurnemanz dem reinen Toren Parsifal, als dieser wissen will, wer oder was denn der Gral nun sei. Jenseits seines eigenen Textbuchs aber ist Richard Wagner ungleich auskunftsfreudiger und bezieht sich auf «die Trinkschale des Abendmahles, in welcher Joseph von Arimathia das Blut des Heilands am Kreuze auffing». Das heilige...