Die Bäume blühen wieder
Gian Carlo Menotti ist ein junger Mann, als er auf die Frage, wie er es geschafft hat, die Bürokratie zu überwinden, um in einer kleinen Stadt im grünen Herzen Italiens ein neues Festival ins Leben zu rufen, antwortet: «Glaube, Beharrlichkeit und Glück». Man schreibt das Jahr 1959, Menotti arbeitet schon seit mindestens drei Jahren an der Idee, völkerverbindende Festspiele in Spoleto zu etablieren, die nicht nur aus Musik, sondern auch aus Tanz, Schauspiel und Bildender Kunst bestehen.
Den Auftakt bildet seinerzeit Verdis «Macbeth» unter der musikalischen Leitung von Thomas Schippers; Regie führte Luchino Visconti, die Ausstattung besorgt Piero Tosi, der auch bei vielen Visconti-Filmen mitwirkte.
So begann eine bedeutende Geschichte, in der internationale Künstlerinnen und Künstler in der umbrischen Stadt künstlerische Werke schufen, die zur Entprovinzialisierung der italienischen Kultur beitrugen. Perfekt einfangen wird diese Mischung aus Kunst und Weltoffenheit, die das Spoleto der 1960er-Jahre ausmachte, in der kleinen Fotoausstellung «Gli anni Menotti 1958–1998» in der alten Monte di Pietà. Zugänglich gemacht wurden die Exponate durch eine umfassende Katalogisierung und ...
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Opernwelt August 2023
Rubrik: Magazin, Seite 66
von Stefano Nardelli
Gott würfelt nicht. Nie. Gott folgt einem klaren, graniten verfugten Schöpfungsplan. Die Götter Griechenlands hingegen, ohnehin eine überaus bunte Versammlung apart-disparater Naturgewalten und neurotischer Temperamente, haben es damit nie so ganz genau genommen. Kam es ihnen in ihren launischen Sinn, lockten sie die Irdischen auch mal heraus aus ihrer kleinen...
Der Versuch des Theaters Osnabrück, Jaromír Weinbergers vergessene Oper über Wallenstein, den bekanntesten Heerführer des Dreißigjährigen Krieges, für die Bühne zurückzugewinnen, besaß zwei starke Momente – den schockhaften Beginn und das quälende Ende. Den Anfang setzt nicht die Musik, sondern unter ohrenbetäubendem Sirenenalarm ein optisches Zitat – die «stumme...
Die Zahl macht heute noch fassungslos. Acht Millionen Menschen kamen im Dreißigjährigen Krieg zu Tode, von jenen 12 Millionen, die das Heilige Römische Reich Deutscher Nation zuvor beheimatete. Für die Zeitgenossen schien die Apokalypse angebrochen zu sein, als eine enthemmte Soldateska auf Jahrzehnte hin entvölkerte Landstriche hinterließ, Hunger und Seuchen ihr...
