Einer von uns
Elends-Ambiente, die blanke Not gibt es weder in Freiburg noch in Mannheim. Beide «Wozzeck»-Inszenierungen, die von Markus Lobbes in Süd- wie die von Olivier Tambosi in Nordbaden, munitionieren sich nicht im sozialen Umfeld der Gestalten. Ihre Ortlosigkeit ist total. Gottfried Pilz’ Mannheimer Bühne ist ganz leer: Sand, nichts als Sand, ein Hauch von Zirkus, von Arena. Die Mechanismen, denen Wozzeck erliegt, werden regelrecht vorgeführt. Zwischenvorhänge erledigen das Nötigste bei den Szenenwechseln, Andreas Rehfelds sensible Führung des Lichts tut ein Übriges.
Dirk Beckers Freiburger Bühne, seitlich bis zu den Brandmauern offen, ist ganz voll – mit Tischen, Stühlen und Papierkörben in klinischem Weiß. Ein Labyrinth, aus dem Wozzeck, den ganzen Abend über zwischen allen Stühlen, nie herauskommt. Wenn er davoneilt, hetzt er von Tisch zu Tisch, hockt sich nieder, hetzt weiter, ein Getriebener, ein – wie alle – adrett gekleideter, keineswegs abgerissener Mensch.
Sein Mannheimer Kollege scheint noch viel weniger zu darben: Er trägt, ebenfalls wie alle, einen grau gemusterten Einheitsanzug. Alltagsmenschen, Normalfälle, keine Exoten. Anonyme Gestalten, die sich aus dem Parkett, ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Mit seinem Engagement für Zeitgenössisches stieß Aachens scheidender Intendant Paul Esterhazy auf unterschiedliche Reaktionen. Als Dramaturg begleitete er die Mannheimer Uraufführung von Detlev Müller-Siemens’ «Menschen» und hat das Werk jetzt nach Aachen geholt. Ein «harter Brocken», nimmt das Werk doch radikal Abschied von Traditionen. Der Komponist spricht...
Herr Schöne, im März sind Sie nach einer Vorstellung als Kurwenal im «Tristan» nach zweiunddreißig Jahren im Ensemble der Staatsoper Stuttgart verabschiedet worden: Hier gilt die gesetzliche Altersgrenze. Sie werden in Zukunft zwar gelegentlich in Stuttgart singen, auch wenn Albrecht Puhlmann in der Spielzeit 2006/07 seine Intendanz antritt – aber als Gast. Hat der...
Die mittlerweile 79-jährige, in Passau lebende Ruth Zechlin hat Henry Purcells nicht vollständig überlieferte und daher auch nicht abendfüllende Oper «Dido and Aeneas» um die bei Vergil überlieferte Vorgeschichte erweitert. Ihre ebenfalls knapp einstündige Kammeroper nach einem Libretto von Hellmuth Matiasek rollt das Geschehen als Rückblende auf: Elissa verliert...
