Kammerspiel
In Osnabrück ist der «Lohengrin» Stadtgespräch. Kein Zweifel, das kleine Stadttheater hat Wagners Oper bravourös gestemmt. Schon logistisch ist der Abend beeindruckend. Weil der Graben nicht ausreicht, ist das Orchester auf die Hinterbühne verbannt, und der auf 63 Sängerinnen und Sänger erweiterte Chor wird meist an die Seiten abgedrängt, ohne darum steif zu wirken. Die schmale, weit nach vorne gezogene Spielfläche rückt die Handlung ganz nah an die Zuschauer heran, ja macht diese fast zu Mitspielern.
So gewinnt Wagners Musik eine erhöhte akustische Präsenz, und Andreas Hotz am Pult nutzt die Chance. Ist erst einmal der ätherische Pianissimo-Beginn mit seiner heiklen Balance der vierfach geteilten Violinen überwunden, so schlägt sich das Orchester mit Verve, begleitet klangschön, stellt seine spieltechnischen Qualitäten in den dunklen Holzbläserfarben wie in der martialischen Wucht des Blechs unter Beweis und ist den Instrumentationswundern dieser Partitur durchweg mit wachem Sinn gewachsen. Klangmächtig, wenn auch oft zu massiv, die großen Chorszenen. Hier wie auch bei den Solisten macht sich bemerkbar, dass der Dirigent hinter und nicht vor dem Geschehen steht, die Stimmen nicht ...
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Opernwelt Mai 2016
Rubrik: Panorama, Seite 56
von Uwe Schweikert
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Ist Karl Marx nicht mausetot? Die Sowjetunion – gescheitert. Maos China – Geschichte. Das Kambodscha der Roten Khmer – wo war das noch mal? Die Antwort kommt aus dem Publikum, das der Vorstellung hellwach folgt. Gleich am Anfang wird es von der Bühne aus einbezogen: «La-la-la-la», singt der Saal, und «Eins, tswej, draj, fir!» wird daraus der «Arbetlosen Marsch» des...
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