Kammerspiel
In Osnabrück ist der «Lohengrin» Stadtgespräch. Kein Zweifel, das kleine Stadttheater hat Wagners Oper bravourös gestemmt. Schon logistisch ist der Abend beeindruckend. Weil der Graben nicht ausreicht, ist das Orchester auf die Hinterbühne verbannt, und der auf 63 Sängerinnen und Sänger erweiterte Chor wird meist an die Seiten abgedrängt, ohne darum steif zu wirken. Die schmale, weit nach vorne gezogene Spielfläche rückt die Handlung ganz nah an die Zuschauer heran, ja macht diese fast zu Mitspielern.
So gewinnt Wagners Musik eine erhöhte akustische Präsenz, und Andreas Hotz am Pult nutzt die Chance. Ist erst einmal der ätherische Pianissimo-Beginn mit seiner heiklen Balance der vierfach geteilten Violinen überwunden, so schlägt sich das Orchester mit Verve, begleitet klangschön, stellt seine spieltechnischen Qualitäten in den dunklen Holzbläserfarben wie in der martialischen Wucht des Blechs unter Beweis und ist den Instrumentationswundern dieser Partitur durchweg mit wachem Sinn gewachsen. Klangmächtig, wenn auch oft zu massiv, die großen Chorszenen. Hier wie auch bei den Solisten macht sich bemerkbar, dass der Dirigent hinter und nicht vor dem Geschehen steht, die Stimmen nicht ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Mai 2016
Rubrik: Panorama, Seite 56
von Uwe Schweikert
Die Schnittstellen zwischen Mensch und Maschine waren für das Musiktheater schon immer von allerhöchstem Interesse. Offenbachs genarrte Liebe des Dichters Hoffmann zur Puppe Olympia wäre zu nennen, auch d’Alberts «Golem»-Oper. In jüngerer Zeit weitete Steve Reich das Thema der Optimierung kreatürlicher Wesen mit «Three Tales» über das Klonschaf Dolly auf das...
Impressum
57. Jahrgang, Nr 5
Opernwelt wird herausgegeben von
Der Theaterverlag – Friedrich Berlin
ISSN 0030-3690
Best.-Nr. 752289
Redaktion Opernwelt
Nestorstraße 8-9, 10709 Berlin
Tel.: +49(0)30/25 44 95 55
Fax: +49(0)30/25 44 95 12
E-Mail: redaktion@opernwelt.de
Redaktionsschluss dieser Ausgabe
war der 11.04.2016
Redaktion
Wiebke Roloff
Albrecht Thiemann (V. i. S. d....
Donizetti polarisiert: Außer wenigen eingeschworenen aficionados kennt kaum jemand mehr als dessen vier oder fünf «Longseller». Was soll man auch von einem Vielschreiber erwarten, der bisweilen an vier Opernpartituren gleichzeitig arbeitete? (Freilich wird die Frage, was man von einem Komponisten halten soll, der manchmal mehr als fünf Lieder an einem Tag schrieb,...
