Ornament der Kasse?
Ob eine Renaissance der Operette auf deutschen Bühnen bevorsteht oder möglicherweise schon im Gange ist, lässt sich noch nicht eindeutig bestimmen. Einige Signale sprechen dafür, denkt man etwa an die Aktivitäten der Dresdner Staatsoperette, der Komischen Oper Berlin, der Oper Dortmund oder des Labels cpo. Unzweifelhaft aber ist das verstärkte wissenschaftliche Interesse, das der so lange verschmähten Gattung entgegengebracht wird. Kongresse und Bücher beschwören den hohen kulturgeschichtlichen und ästhetischen Stellenwert der «leichten» Gattung.
Im vergangenen Jahr fand an der Komischen Oper Berlin ein Symposion zum Thema statt, ausgerichtet von der University of Chicago, der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg und der Fachzeitschrift «The Opera Quarterly». Die Ergebnisse liegen nun in Buchform vor. Der Fokus liegt auf der (Revue-)Operette der 20er- und 30er-Jahre – ein Spezialgebiet der Komischen Oper und ihres Intendanten Barrie Kosky. Den Band zieren zahlreiche historische Illustrationen, ferner 16 ganzseitige Farbfotos aus vier Produktionen des Hauses – da wird Wissenschaft geschickt mit Eigenwerbung verbunden. Die Textbeiträge haben vor allem die aktuelle ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Mai 2016
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 36
von Ekkehard Pluta
Hack- oder Filetsteak, das ist hier die Frage. Der «Vampyr» in der 90-minütigen Fassung des gefeierten Schauspielregisseurs Antú Romero Nunes (dem an der Bayerischen Staatsoper bereits «Guillaume Tell» anvertraut war, siehe OW 8/2014) bietet vor allem Blutsauger-Geschnetzeltes von dem sonst zwei Stunden dauernden Werk. Freilich ist dies genau das, was Nunes am...
Als der Jazzpianist Keith Jarrett Ende der 1980er-Jahre Bach aufzunehmen begann, zeugte sein Spiel von einer Haltung unbedingter Reverenz. Wie einem heiligen Monument schien er sich dem «Wohltemperierten Klavier» oder den «Goldberg-Variationen» zu nähern. Mit der dem Augenblick abgerungenen Freiheit, die Jarrett in seinen Soloimprovisationen zelebrierte, hatte das...
In Alexander Zemlinskys Opern rumort eine schwüle, mit Gewaltfantasien grundierte Erotik. Sein selten aufgeführtes Opus summum «Der König Kandaules» treibt die Obsessionen auf die Spitze. Wörtlich genommen ist die Geschichte schwer verdaulich: Der König begreift seine schöne Gattin Nyssia als Besitz. Erst entschleiert er sie wie eine Trophäe vor den Höflingen, dann...
