Eine Königin des lirico spinto-Gesangs

Große Vorstellung, bescheidene Ausstattung: Aufnahmen der Sopranistin Anita Cerquetti aus den Jahren 1956 und 1957

Opernwelt - Logo

Anita Cerquetti war eine der rätselhaftesten Erscheinungen der Operngeschichte nach dem Zweiten Weltkrieg. Erst zwanzigjährig debütierte sie 1951 als Aida in Spoleto, arbeitete sich in den folgenden Jahren mühsam durch die Provinzen in die erste Reihe vor und hatte ihre große Stunde, als sie im Januar 1958 nach dem skandalumwitterten «Norma»-Abbruch in Rom für die Assoluta Maria Callas einsprang. Bereits zwei Jahre später ging ihre Karriere mit einem konzertanten «Nabucco» in Holland zu Ende. Da war sie neunundzwanzig Jahre alt.

Für Jahrzehnte hörte man dann nichts mehr von ihr, bis sie Werner Schroeter in seinem Film-Essay «Poussières d’amour» (Abfallprodukte der Liebe, 1996) vor die Kamera brachte. Die genaueren Gründe ihres frühen Abgangs wurden auch dort nur angedeutet, sie waren aber offensichtlich eher psychischer als stimmlicher Natur.
Anita Cerquetti vertrat den Typus des lirico spinto-Soprans in Reinkultur: eine ausladende Stimme von charakteristisch dunkler Farbe und einer seltenen Leuchtkraft in allen Lagen. Darüber hinaus verfügte sie über eine ausgefeilte Gesangstechnik und war mit den Finessen des Belcanto-Stils vertraut, mit den Verzierungen ebenso wie mit dem «messa ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Februar 2008
Rubrik: CDs, Seite 54
von Ekkehard Pluta

Vergriffen
Weitere Beiträge
Es muss nicht immer Händel sein

Giovanni Carestini (1700-1760) verfügte, wie Zeitgenossen berichteten, nicht nur über einen traumhaft schönen Sopran von einzigartiger Kultur und Reinheit. Der Kas­trat war auch ein leidenschaftlicher Schauspieler voll szenischer Fantasie und Ambi­tion. Seine Verkörperungen rührten das Pub­likum zu Tränen. Das dürfte den Countertenor Philippe Jaroussky gereizt...

Im Sog des Perlenfischers

Wenn Intendant Frank Feitler Marktforschung betreiben will, dann geht er in der Pause einer Opernaufführung seines Luxemburger «Grand Théâtre» in die hauseigene Tiefgarage. Dort ballen sich Autos mit D-Kennzeichen. Auf «fast siebzig Prozent» schätzt der Theater-Manager den Anteil der Nicht-Luxemburger, die kommen, um einen Hauch der großen Opernwelt zu erhaschen.
A...

Die Kunst des Diskreten

Ein Aufruf zur Stille ist immer gut. Auch ­Angelo Polizianos Auseinandersetzung mit dem Orpheus-Stoff beginnt mit einem «Silenzio». Irgendwie ist dieses Gebot bezeichnend für die gesamte Aufführung des Ensembles «La Compagnia dell’Orpheo» unter Francis Biggi. Durchweg siegt die Kunst des Diskreten. Es ist eine Musik, die über weite Strecken ohne Forte auskommt, in...