Wagner: Tannhäuser
Seiji Ozawa dirigiert mehr mit den Augen als mit den Händen, die nur kleine Bewegungen verrichten. Die Liebesträume und Pilgerzüge des «Tannhäuser» erblühen betörend farbig und intensiv. Mit klarer Stimmgewalt bestreitet Eva-Maria Westbroek die Partie der Elisabeth. Gegen sie behauptet sich mit erotischen Verlockungen das dunkler getönte Organ von Béatrice Uria-Monzon (Venus). Ein wenig forcieren müssen in der riesigen Halle an der Place de la Bastille allerdings beide an sich vorzügliche Sängerinnen.
Mit der Herausforderung der thüringischen Minnesängerwelt einer fernen Zeit durch Heinrich Tannhäuser stehen konträre Lebensstile zur Diskussion – und mindestens ebenso intensiv wie in Wagners «Meistersingern» geht es um Fragen einer zeitgemäßen Kunst wie um das Verhältnis von Kunst und Leben. All diesen Dimensionen trägt Robert Carsen Rechnung. Er transponiert das Werk, ohne ihm ungebührlich Gewalt anzutun, in die Gegenwart: Tannhäuser ist Maler und Leiter einer Meisterklasse – von Anfang bis Ende sucht er, was er sieht und erfährt, mit Stift und Pinsel festzuhalten. Das Ballett wird von seinen Studenten bestritten, die sich – wie er und das Modell Venus auf der Matratze – in ...
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Frau Banse, die Wärme und Innigkeit Ihres Soprans erinnern an Vorgängerinnen wie Irmgard Seefried oder Sena Jurinac: an Sängerinnen von einst. Gehört Ihre Stimme einem aussterbenden Typus an?
Das glaube ich nicht. Aber die Art, wie bestimmte Partien zeitweise eher schwer und dann wieder sehr lyrisch besetzt werden, erweckt vielleicht diesen Eindruck. Jede...
Gemessen an der historischen Bedeutung des Stoffes, komponierte Mozart seinen «Lucio Silla» glatt am Thema vorbei: Statt den heroischen (und nach wie vor außergewöhnlichen) Entschluss des römischen Diktators Lucius Sulla zu würdigen, die Macht zurück in die Hände des Volkes zu legen, interessierte sich der Sechzehnjährige hauptsächlich für diejenigen Personen des...
«Dieses Libretto halte ich, was Erfindung und Poesie betrifft, für mein bestes: wollüstig, ohne lasziv zu sein, fesselte es das Publikum ... von Anfang bis Ende.» So Lorenzo Da Ponte in seiner Autobiografie. Allein schon diese selbstbewusste Einschätzung müsste neugierig machen auf Vicente Martín y Solers Dramma giocoso «L’arbore di Diana», das im Oktober 1787...
