Macht des Prinzips
Christof Nel ist ein Meister des psychologischen Symbolismus. Es passt zu diesem Regisseur, dass er im Programmheft der «Don-Carlo»-Neuproduktion bekennt, der Regie-Fachausdruck der «szenischen Lösung» sei ihm zuwider. Richtig so. Opernszenen gehören nicht punktuell «gelöst», sondern all ihre Details auf das gedankliche Großkonzept bezogen. Unvergessen ist, wie Nel einst in der Stuttgarter «Walküre» Sieglindes Körper mit dem Stamm der Esche gleichsetzte: Die Gewinnung des Schwerts wurde zur sexuellen Selbstentäußerung Sieglindes.
Verdi richtet seinen Blick weniger als Wagner durch die Figuren hindurch auf den ewigen Lauf der Welt. Er bleibt in seiner Musik stets bei den Personen und ihrem individuell Besonderen, ihrer Liebe, ihrer Sehnsucht, ihrem Freiheitsdrang.
Das gilt auch für «Don Carlo». Kaum überraschend also, dass Nels Rechnung, das Stück von der Warte der Ideologiekritik herab durch sprechende Symbole zu vergegenwärtigen, nur zum Teil aufgeht. Mit dem stimmlich dunkel getönten Albert Pesendorfer als Filippo will Nel offensichtlich auf das Prinzip alles Totalitären hinaus. Doch die gleichsam zeitlosen Topoi der Diktatur, die er in Hannover vorführt, wirken bemüht – auch wenn ...
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