Eine große Liebende

Mozart: Le nozze di Figaro am Opernhaus Oslo

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Kann tief empfundene Liebe bestehen, wo sie nicht erwidert wird? Diese Frage hat nicht erst Simone de Beauvoir bejaht. Wer die Textdichter Beaumarchais und Da Ponte nicht zwingend genug findet, wird bei Mozart dieselbe Antwort nicht lesen, aber hören. «Dove sono i bei momenti» – wo sind sie abgeblieben, die Momente der Liebe? Da klingt nicht einfach Nostalgie durch in «Le nozze di Figaro», sondern eine noch immer innig liebende Seele. Die nämlich der Gräfin Almaviva, die von ihrem (inzwischen?) notgeilen und herrschsüchtigen Ehemann seit Jahren gedemütigt wird.

Am Opernhaus in Oslo macht die britische Sopranistin Nardus Williams diese Arie mit glutvoll-strahlender Stimme und großem Herzen zu einem lang nachhallenden Erlebnis. Mehr noch: Über die gesamten dreieinhalb Stunden ist es diese Künstlerin, die im Alleingang Wärme und Wahrhaftigkeit verleiht, bei jedem Auftritt. Nardus Williams lässt ihre Rolle zu dem werden, was sie ist: eine der großen Liebenden in der Opernliteratur. Die Umstände haben es ihr nicht leicht gemacht: Regisseur Matthew Wild, seit seinem «Tannhäuser»-Erfolg in Frankfurt einer der heißen Namen der Szene, hat die Handlung vom hitzeflirrenden Sevilla verlegt in ...

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Opernwelt August 2026
Rubrik: Panorama, Seite 67
von Stephan Knies

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