Das entfesselte Barocktheater

Den Händel-Festspielen in Halle gelingt mit zwei «Rinaldo»-Produktionen der Spagat zwischen Opulenz und zeitgemäßen Fragestellungen

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Es gibt programmatische Konzepte, deren Formeln man als Adressatin für Pressemitteilungen seit Langem schon auswendig aufsagen kann. Die (Kultur-)Politik scheint immer gleich formulierte Absichtserklärungen zu lieben, sonst würden sie nicht allerorten wiederholt. Zu den beliebtesten Floskeln dieser angewandten Lyrik zählt es, sich zu öffnen für ein jüngeres und diverseres Publikum. Oder ein Theater oder Festival in die Stadt hineinzutragen. Alle wollen das. Aber wenn man ehrlich ist, gelingt es den wenigsten.

Das mag zum einen daran liegen, dass die hehren Absichten beim erwünschten neuen Publikum häufig gar nicht erst ankommen. Zum anderen riskiert man, mit Verstellung und Anbiederei eben jenes neue Publikum zu verärgern oder das alte zu vergraulen. Glücklich ist, wer mit Neuem nichts retten muss, sondern bereits Erfolgreiches steigern darf. In dieser Situation hat Florian Amort im vergangenen Jahr kurzfristig von dem überraschend verstorbenen Bernd Feuchtner die Leitung der Händel-Festspiele Halle übernehmen müssen, inklusive dessen fertig konzipierten Programms. Das größte Festival Sachsen-Anhalts ist eine feste Konstante im Kalendarium der internationalen Gemeinde der ...

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Opernwelt August 2026
Rubrik: Im Focus, Seite 10
von Regine Müller

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