Schwerelos schwebend
Mélodies d’ailleurs», «Lieder von damals» nennen die beiden jungen Schweizerinnen, die Sopranistin Viviane Hasler und ihre Klavierpartnerin Maren Gamper, ihre Debüt-CD. Das «Damals» ist das Frankreich des Fin de Siècle. Mit den «Mélodies», der französischen Antwort auf das deutsche Kunstlied, wagen sie sich an ein Genre, das – jedenfalls für Nicht-Muttersprachler – noch immer zum Schwersten im Bereich des Gesangs gehört, und sie bestehen die Herausforderung mit Bravour.
Am Beginn des Programms stehen Claude Debussys sechs «Ariettes oubliées» auf Texte von Paul Verlaine – jener Zyklus also, mit dem der junge, gerade dem Konservatorium entwachsene Debussy, gleichsam wie aus dem Nichts, die Manifestation einer neuen Kunst schuf. Wort, Gesang und Begleitung verschmelzen hier zu einer nie zuvor gehörten Einheit – einer musikalischen Deklamation von Lyrik, die mit allen Konventionen der Gattung bricht. Debussy folgt wie ein Seismograph «auf Schritt und Tritt» (so einst die Sopranistin Claire Croiza) dem Tonfall der Worte wie der Empfindungen. Er erfasst sie noch in den feinsten, abgründigsten Schattierungen. Viviane Hasler trifft die subtilen Nuancen dieser Musik nahezu vollkommen – mit ...
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Opernwelt September/Oktober 2024
Rubrik: CD, DVD, Buch, Seite 52
von Uwe Schweikert
Luigi Pirandello galt als Revolutionär des italienischen Theaters. Stil und Stücke im 20. Jahrhundert waren geprägt von seinen Arbeiten, seinen Imaginationen – Pirandello gilt nicht umsonst als Vorreiter des absurden Theaters, ähnlich wie Jarry oder Artaud. Aber in der Gegenwart des 21. Jahrhunderts werden zunehmend seine Romane und der immense Reigen von gut 250...
Lieber Herr Trojahn, in diesem Monat erlebt Ihr «Orest» in Kopenhagen seine sechste Inszenierung seit der Amsterdamer Uraufführung 2011. Damals haben Sie in einem Interview über den Protagonisten, der als suchender Held zwischen zwei archaischen Systemen steht – dem Matriarchat, das den Gattenmord erlaubte, und einer neuen patriarchalischen Ordnung –, gesagt: «Wie...
Der Mond als keusche Göttin, der heilige Hain, die Misteln, zuletzt auch das zerstörend-reinigende Feuer: Die Natur spielt in Vincenzo Bellinis «Norma» bekanntlich eine große Rolle – und bei Freilichtaufführungen erst recht. Ohne ein schützendes Operndach über dem Kopf begeben sich Stimmfetischistinnen und Belcanto-Verehrer ebenso notgedrungen wie passend in Gottes...
