Eindlich einzusehen – teilweise
Man mag es immer noch nicht glauben: Seit Herbst 2019 sind die Skizzen und Entwürfe aus Giuseppe Verdis Nachlass im Staatsarchiv von Parma zugänglich. Zwar bleiben die von der römischen Regierung in einer überraschenden Aktion im Frühjahr 2017 sichergestellten Originale im Tresor. Doch wer vor dem Corona-Shutdown nach Parma gekommen war, konnte am Bildschirm Scans der fast 5000 Manuskript-Seiten studieren (und kann es bald wieder).
Um es vorwegzunehmen: Ganz große Überraschungen sind nicht zu vermelden, keine einzige musikalische Aufzeichnung zum Opernprojekt «König Lear» nach Shakespeare, nur wenig Unbekanntes in auskomponierter Fassung. Doch liegt der Gewinn im Detail: Die Skizzen erlauben einen faszinierenden Einblick in Verdis Werkstatt und werden die Forschung auf viele Jahre beschäftigen. So haben sich zwischen den Entwürfen zu «Don Carlos» und «Aida» Partitur-Reinschriften von Nummern erhalten, die Verdi vor der Uraufführung ausschied. Opernhäuser, die einige der Striche in «Don Carlos» öffnen wollen, sind also gut beraten, sich nicht mehr auf die Ausgabe von 1974 zu verlassen. Für diese stand nur das Pariser Aufführungsmaterial zur Verfügung. Doch fehlt dort die ...
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Opernwelt September/Oktober 2020
Rubrik: Magazin, Seite 78
von Anselm Gerhard
Eckhard Henscheid ätzt in «Dummdeutsch», die andauernde Verwendung der Vokabel irgendwie sei «irgendwie eine spezifische geistige Schrumpfleistung der Post-No-Future-Generation». In diesen unseren Krisenzeiten scheint sie indes allgegenwärtig. Und wenn ein prominenter Theaterleiter äußert, man müsse irgendwie über die nächsten Monate und vielleicht Jahre kommen,...
Gänzlich unvorbereitet traf uns Corona, und Einschränkungen von zuvor nicht vorstellbarem Ausmaß prägten den weiteren Verlauf der Spielzeit. Krisen dieser Art kannten wir natürlich – aus Fernsehberichten, denn Pandemien treffen ja grundsätzlich andere Regionen. Politik und Wissenschaft entwickelten Szenarien für das Gesundheitswesen, für Schulen und Kitas, den...
Das ist großsprecherisch, prahlerisch, Italien und die Gascogne in einem, und: es ist wahr!» Das schrieb Hector Berlioz 1855 anlässlich der ihm vom jungen Hans von Bülow und von Liszt abverlangten Revision seines «Benvenuto Cellini» von 1838 für dessen Weimarer Revival in den 1850er-Jahren. Er hatte bei der Uraufführung alle überfordert, die Ausführenden ebenso wie...
