Beethovens Schwestern

Dass Computer Klänge erzeugen können, ist nicht neu. Aber lassen sich mit Algorithmen auch genuin kreative, originelle Werke komponieren? Wie Künstliche Intelligenz die Musikwelt verändert

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Zum 250. Geburtstag Ludwig van Beethovens in diesem Jahr hatte man sich in seiner Geburtsstadt Bonn ein besonderes Präsent ausgedacht: Das Beethoven Orchester wollte Ende April unter seinem Chefdirigenten Dirk Kaftan die «10. Sinfonie» des Meisters zur Uraufführung bringen, von der es lediglich einige Kompositionsskizzen gibt. Die Idee des Projekts ist, das ungeschriebene Werk von einer Künstlichen Intelligenz (kurz: KI) komponieren zu lassen.

Ob Beethoven sich über ein solches Geschenk gefreut hätte? Vermutlich hätte es einen revolutionären Geist wie den seinen schon gereizt, solche Technologien auszuprobieren. Auf jeden Fall ist das wegen der Corona-Epidemie bis auf Weiteres verschobene Konzert ein guter Anlass, darüber nachzudenken, was KI-Kompositionen für die Kunstmusik und die Zukunft des Musiktheaters bedeuten.

I. Emmy

Die wechselvolle Geschichte zwischen Künstlicher Intelligenz und Musik reicht bis in die Anfänge der Computermusik Mitte des 20. Jahrhunderts zurück. Um besser verstehen zu können, warum heute KI-Kompositionen so viel Aufsehen erregen, ist eine Kontrastfolie hilfreich – etwa die Arbeiten des amerikanischen Komponisten David Cope, der bereits 2001 «Beethovens ...

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Opernwelt September/Oktober 2020
Rubrik: Essay, Seite 54
von Harry Lehmann

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