Zukunft gestalten
Gänzlich unvorbereitet traf uns Corona, und Einschränkungen von zuvor nicht vorstellbarem Ausmaß prägten den weiteren Verlauf der Spielzeit. Krisen dieser Art kannten wir natürlich – aus Fernsehberichten, denn Pandemien treffen ja grundsätzlich andere Regionen. Politik und Wissenschaft entwickelten Szenarien für das Gesundheitswesen, für Schulen und Kitas, den Einzelhandel, die Kirchen und um die Folgen für Industrie und Wirtschaft zu entschärfen. Die Kultur wurde in einschlägigen Pressekonferenzen über Wochen nicht einmal erwähnt.
Vor diesem Hintergrund forderten überregionale Feuilleton-Journalisten – für mich überraschend – mehr Beachtung für die Künste, selbst den festen Theatern billigten sie hohe gesellschaftliche Relevanz zu. Das hatte vorher noch ganz anders geklungen: Da waren wir eher Dinosaurier, ästhetisch stehengeblieben, strukturell verkrustet. Egal. Offensichtlich fehlten nun selbst denjenigen Theatererlebnisse, die sich zuvor als Totengräber profiliert hatten. Das macht fröhlich. Im Shutdown wurde das Theater wieder als Teil des gesellschaftlichen Dialogs vermisst. Gerade in einer so außergewöhnlichen, beängstigenden Situation fehlte es, als Ort der lebendigen ...
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Opernwelt September/Oktober 2020
Rubrik: Thema, Seite 43
von Cathérine Miville
«Beaucoup de douceur et de sensibilité» verlangt Jean-Baptiste Lemoyne von Theseus’ unglücklichem Sohn Hippolyte bei dessen Abschied von den Jagdgefährten. Der blindwütige Vater schickt ihn ins sichere Verderben. Ein großes elegisches Chor-Tableau hält in der sich anbahnenden Katastrophe die Zeit an. Der weite Spielraum des Ausdrucks der Leidenschaften, die Balance...
Gleich drei Ausstellungen hat Alexander Kluge in den vergangenen Monaten der Oper gewidmet: an seinem Geburtsort Halberstadt, in Ulm, wo er an der Hochschule für Gestaltung gemeinsam mit Edgar Reitz die Abteilung für Filmgestaltung leitete, und in Stuttgart, wo er bis in die Gegenwart hinein die Entstehung von Inszenierungen verfolgt. Die 400-jährige Geschichte der...
Während dieser Zeit der Pandemie habe ich, wie einige andere darstellende Künstler, verschiedene Phasen durchlaufen. Zunächst eine tatenlose Depression darüber, plötzlich aus dem künstlerischen Leben gerissen zu sein, über all die abgesagten, metikulös vorbereiteten, zum Teil fertiggeprobten Projekte. Einige sind unwiederbringlich verloren, andere auf unbestimmte...
