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Gänzlich unvorbereitet traf uns Corona, und Einschränkungen von zuvor nicht vorstellbarem Ausmaß prägten den weiteren Verlauf der Spielzeit. Krisen dieser Art kannten wir natürlich – aus Fernsehberichten, denn Pandemien treffen ja grundsätzlich andere Regionen. Politik und Wissenschaft entwickelten Szenarien für das Gesundheitswesen, für Schulen und Kitas, den Einzelhandel, die Kirchen und um die Folgen für Industrie und Wirtschaft zu entschärfen. Die Kultur wurde in einschlägigen Pressekonferenzen über Wochen nicht einmal erwähnt.

Vor diesem Hintergrund forderten überregionale Feuilleton-Journalisten – für mich überraschend – mehr Beachtung für die Künste, selbst den festen Theatern billigten sie hohe gesellschaftliche Relevanz zu. Das hatte vorher noch ganz anders geklungen: Da waren wir eher Dinosaurier, ästhetisch stehengeblieben, strukturell verkrustet. Egal. Offensichtlich fehlten nun selbst denjenigen Theatererlebnisse, die sich zuvor als Totengräber profiliert hatten. Das macht fröhlich. Im Shutdown wurde das Theater wieder als Teil des gesellschaftlichen Dialogs vermisst. Gerade in einer so außergewöhnlichen, beängstigenden Situation fehlte es, als Ort der lebendigen ...

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Opernwelt September/Oktober 2020
Rubrik: Thema, Seite 43
von Cathérine Miville

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