Zukunft gestalten

Opernwelt - Logo

Gänzlich unvorbereitet traf uns Corona, und Einschränkungen von zuvor nicht vorstellbarem Ausmaß prägten den weiteren Verlauf der Spielzeit. Krisen dieser Art kannten wir natürlich – aus Fernsehberichten, denn Pandemien treffen ja grundsätzlich andere Regionen. Politik und Wissenschaft entwickelten Szenarien für das Gesundheitswesen, für Schulen und Kitas, den Einzelhandel, die Kirchen und um die Folgen für Industrie und Wirtschaft zu entschärfen. Die Kultur wurde in einschlägigen Pressekonferenzen über Wochen nicht einmal erwähnt.

Vor diesem Hintergrund forderten überregionale Feuilleton-Journalisten – für mich überraschend – mehr Beachtung für die Künste, selbst den festen Theatern billigten sie hohe gesellschaftliche Relevanz zu. Das hatte vorher noch ganz anders geklungen: Da waren wir eher Dinosaurier, ästhetisch stehengeblieben, strukturell verkrustet. Egal. Offensichtlich fehlten nun selbst denjenigen Theatererlebnisse, die sich zuvor als Totengräber profiliert hatten. Das macht fröhlich. Im Shutdown wurde das Theater wieder als Teil des gesellschaftlichen Dialogs vermisst. Gerade in einer so außergewöhnlichen, beängstigenden Situation fehlte es, als Ort der lebendigen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt September/Oktober 2020
Rubrik: Thema, Seite 43
von Cathérine Miville

Weitere Beiträge
Nicht mehr zeitgemäß

Man habe «pausenlos zu tun», sagt Elisabeth Ehlers vom Münchner Künstlersekretariat am Gasteig, «richtig viel Arbeit». In Agenturen herrscht derzeit Hochbetrieb: Konzerte werden auf kommende Spielzeiten verlegt, Programme den neuen Spielbedingungen angepasst, Verträge für abgesagte Veranstaltungen abgewickelt, neue für kurzfristig wieder angesetzte abgeschlossen....

Ensemblekultur stärken

Wie alle freischaffenden Musiker bin auch ich durch den Corona-Ausnahmezustand heftig mit meinem Beruf als Sängerin zeitgenössischer Musik konfrontiert worden. Bisher habe ich ihn immer als Berufung empfunden. Ungeliebte Lücken im Kalender gab es ja schon öfter, aber ein Berufsverbot auf unbestimmte Zeit war nie einkalkuliert.

Aus voller Fahrt ausgebremst, stellte...

Editorial September/Oktober 2020

Ein unglaublicher Vorgang: Als am 17. Juli der Verwaltungsrat des Staatstheaters Karlsruhe zusammentritt, um über die Zukunft des Generalintendanten Peter Spuhler zu beraten, demonstrieren knapp 300 Angestellte draußen vor der Tür, mehr als ein Drittel der Belegschaft. Die unmissverständliche Botschaft: Das Haus brauche dringend einen Neuanfang, und der sei nur...