Ein Wurf
«Geschafft!», muss der Musiktheaterfreund dem Buchtitel entgegnen. «Zu schauen kam ich…», diesen Halbsatz des zum Wanderer gewandelten Wotan, hat die renommierte Theaterfotografin Monika Rittershaus als Titel ihres Doku-Bandes über Wagners «Ring des Nibelungen» gewählt. «…nicht zu schaffen», geht der Satz weiter – und dem ist eben zu widersprechen: Das Frankfurter «Ring»-Team hat es geschafft, und auch Monika Rittershaus ist es gelungen, viele der eindringlichen, ja bewegenden Momente der vier Abende im Bild zu bannen.
Einziges Manko: Die unvergesslichen dreieinhalb Minuten «Weltwerdung» zu Beginn des «Rheingold» müssten als kleines Video beigegeben sein. Als da nämlich Jens Kilians ingeniöse Weiterentwicklung der Bayreuther Weltenscheibe aus dem Dunkel auftauchte und Bibi Abels unprätentiöses Video Wasser und Wassertropfen als Lebensquell hinzufügte, da war ahnend zu hoffen «Das wird was!» Kilians gegen- und miteinander dreh-, heb- und senkbare Welten-Ringe erwiesen sich als wandelbares Einheitsbühnenbild, in dem Vera Nemirova reale wie surreale Spielzüge gestalten konnte. Szenen-Totale wie Ausschnitte wechseln. Ex-OB Petra Roth outet sich als Gegenbeispiel zur dominierenden ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt August 2012
Rubrik: Medien, CDs und DVDs, Bücher, Seite 30
von Wolf-Dieter Peter
Domenico Barbaja muss einen guten Riecher gehabt haben, als er den noch unbedeutenden Neuling Vincenzo Bellini, dessen Anfängerarbeiten nur wenig überragendes Talent erkennen ließen, für eine Premiere an der Mailänder Scala unter Vertrag nahm. Dort erlebte dessen dritte Oper «Il pirata» am 27. Oktober 1827 eine triumphale Premiere, der sich 13 Wiederholungen...
Bekanntlich leidet die Neue Musik darunter, wenn sie von Interpreten, die in der klassischen Vokalmusik nicht reüssieren konnten, als Refugium aufgesucht wird. Ohne das «über die Wiedergabe hinausgehende, selbstständige Moment der vokalen Sprache beim Interpreten ist gerade die Objektivität des Werkes nicht zu realisieren». Bestätigt wird diese Überlegung Adornos...
Thomas Mann und die Musik – ein oft beackertes Feld, auf dem kaum noch Steinchen liegen, die nicht schon gehoben und von allen Seiten betrachtet worden sind. Nun hat Timo Sorg in seinem Buch «Beziehungszauber» – die leicht gekürzte Fassung seiner Heidelberger Dissertation – einen Pfad gefunden, um bislang vernachlässigte Stellen zu erschließen. Statt der häufig...
