Ein weites Feld

Oswald Panagls Essaysammlung «Im Zeichen der Moderne» ist ein Füllhorn aus Querbezügen zwischen Literatur, Oper und Bildender Kunst

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Kaum hat man dieses Buch beglückt aus der Hand gelegt, kommt dem Leser jener legendäre Satz aus Theodor Fontanes Roman «Effi Briest» in den Sinn, zu dem Effis Vater stets dann greift, wenn er unangenehmen Diskussionen mit seiner Tochter entfliehen will. Dieses oder jenes sei, so der alte Briest, doch ein «weites Feld». Oswald Panagl, beinahe drei Jahrzehnte lang Ordinarius für Allgemeine und Vergleichende Sprachwissenschaften an der Universität Salzburg, kann es gar nicht zu weit sein.

In seinem Sammelband mit (eigens hierfür überarbeiteten) Essays schreitet er das imaginäre Geviert mit einer Gelassenheit und Souveränität ab, die höchsten Respekt verdient. Hier spricht ein Mann, der sich auskennt in den Künsten, nicht nur in der Oper. Aber auch dort.

«Im Zeichen der Moderne» lautet, überaus triftig, der Titel des Buchs, das dramaturgisch plausibel wie ein Fächer gestaltet ist und dabei durch ein hohes Maß an Originalität für sich einnimmt. Als geübter Linguist spürt Panagl zunächst einmal dem zentralen Begriff nach: Die (von Jürgen Habermas mit Recht als ein «unvollendetes Projekt» beschriebene) «Moderne», das weiß auch Panagl, ist in ihrer Gesamtheit, als Phänomen der ...

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Opernwelt März 2021
Rubrik: BUCH des Monats, Seite 39
von Jürgen Otten

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