Sirenengesang
Wundersamer, klangreicher, magischer Ort. Ort der puren ästhetischen Überwältigung: Eine «Hotellerie des Signifikanten» nennt der französische Philosoph Roland Barthes jenen Raum, in dem das Subjekt gehört werden kann, mitsamt der Bewegung seines Körpers. Und vor allem mit jener Stimme, die den Hörenden zu verzaubern vermag.
Die Stimme, so heißt es in Barthes’ Essay über das «Zuhören», sei, im Vergleich zum Schweigen, wie das Schreiben auf weißem Papier, und das Hören dieser Stimme eröffne die Beziehung zum anderen: «Die Stimme, an der man die anderen wiedererkennt, zeigt uns deren Wesensart, deren Freud oder Leid, deren Befindlichkeit an; sie transportiert ein Bild ihres Körpers und darüber hinaus eine ganze Psychologie.»
Bei Ultraschall Berlin 2021 kam man Ende Januar in den Genuss dieses gleichermaßen physiologischen wie psychologischen Phänomens. Weil die Konzerte zwar stattfinden durften, aber Pandemie-bedingt kein Publikum zugelassen war, verwandelten die Macher – Rainer Pöllmann («Deutschlandfunk Kultur») und Andreas Göbel («rbbKultur») – den nunmehr 23. Jahrgang in ein reines Radiofestival. Und das mit zum Teil erstaunlichen, exzellenten Resultaten, insbesondere in den ...
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Opernwelt März 2021
Rubrik: Magazin, Seite 58
von Jürgen Otten
Thetis galt als die schönste Tochter des Meeresgottes Nereus; Peleus wiederum war ein normaler, sterblicher Mann, vielleicht ein bisschen der Typus macho mediterraneo. Als er die in einer Grotte schlafende Nymphe sah, überwältigte er sie und ließ sie nicht mehr los, obwohl sie sich ihm durch allerlei Zaubertricks zu entziehen suchte. Doch sein respektloses Zupacken...
In den vergangenen Monaten musste ich häufiger an Antonio denken. An die Worte, mit denen jenes Stück beginnt, das ihn zur Titelfigur krönt, dessen wichtigster Protagonist aber nicht der «Kaufmann von Venedig» ist, sondern sein Gegenspieler Shylock. «Ich weiß wirklich nicht, was mich so traurig macht», sagt Antonio im Gespräch mit seinen Freunden Salerio und...
In Stendhals «Vie de Rossini» von 1823 steht der Satz «Réfléchir sur les beaux-arts, fait sentir» – Nachdenken über die schönen Künste macht fühlen. Der Gedanke könnte vom Publizisten Uwe Schweikert stammen, von 1971 bis Ende 2003 Lektor des Metzler-Verlags, seit 1992 dort verantwortlich für ein exquisites Musikprogramm, und seit vielen Jahren Mitarbeiter der...
