Ein weiterer Coup
Vielleicht denkt Regensburgs Intendant Sebastian Ritschel bisweilen an Donald Trumps Motto «We are tired of winning». Tatsächlich hagelte es zuletzt diverse Auszeichnungen für das mittelgroße Stadttheater, welches in Kürze auch noch zum Staatstheater geadelt wird, was einerseits Prestige bedeutet, andererseits mehr Geld bringen dürfte.
Kann man prima verwenden für die oft üppigen Ausstattungen am Haus!
Joseph Beers vor rund 90 Jahren in Wien uraufgeführte Operette «Polnische Hochzeit» kommt indes mit einem «begrenzten», aber wirksamen Bühnenbild aus (kreiert von Barbara B. Blaschke). Wir befinden uns auf einem Bauernhof, Kühe wackeln an den Seiten, das Personal trägt grellgelbe Montur. Wenn sich der Raum leicht verändert, erinnert die plötzlich karge Szenerie irgendwie an eine Wohnscheune oder vielleicht auch an ein Lager, bevor alles zur großen Showbühne wird.
Regisseur Ronny Scholz verzahnt die Geschichte des 1908 nahe Lemberg (damals österreichisch) geborenen Komponisten sanft und unaufdringlich mit der Handlung. Der Jude Beer, einst unglaublich beliebt und erfolgreich, dann von den NS-Schergen verfolgt und ins Exil getrieben, taucht als eigene Figur auf, gibt mal den ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt April 2026
Rubrik: Panorama, Seite 60
von Jörn-Florian Fuchs
Die Faszination von Musikern aus dem United Kingdom für die tschechische Musik ist ein Phänomen. Charles Mackerras war lange Zeit der führende Dirigent in Sachen Janáček, in seine Rolle ist mittlerweile Simon Rattle geschlüpft. Brian Large wiederum, der führende Opern- und Klassik-TV-Regisseur der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, berichtet in seiner kürzlich...
In Österreich dreht sich der Wind und pfeift der Hochkultur hart ins Gesicht. Das bisher herrschende Einverständnis über die Unantastbarkeit traditionsreicher Institutionen scheint außer Kraft gesetzt. Man bemerkt das veränderte Klima aktuell am forschen Umgang mit dem Intendanten der Salzburger Festspiele, Markus Hinterhäuser, und man spürt es erdrutschartig in...
Wie konnte so ein großer Dirigent so ein großer Nazi sein?», fragte der Schriftsteller und Auschwitz-Überlebende Elie Wiesel den Pianisten Alexis Weissenberg, der mit Herbert von Karajan während der 1970er-Jahre mehrfach auftrat. Die klare Antwort Weissenbergs, jüdischer Herkunft wie Wiesel: «Er war kein Nazi. Es ist ein großes Unrecht, ihn Nazi zu nennen.»
Was ist...
