Die Maske muss runter
Das «unmögliche Kunstwerk» Oper lebt, allen Unkenrufen zum Trotz. Als Beleg mögen abseits der Pflege des kanonischen Repertoires auch und vor allem jene Stücke dienen, die sich mit der Tradition der Gattung auseinandersetzen, dabei aber neue Wege beschreiten. Um solche Werke des Musiktheaters soll es in dieser Rubrik gehen: um Uraufführungen, in denen neue Narrative kreiert werden und die Form selbst auf dem Prüfstand steht, zugleich aber auch jene Rezeption befragt wird, die sich mit der Wiederholung überlieferter Deutungsmuster begnügt. Zu Wort kommen Komponistinnen und Komponisten, Dramaturginnen und Dramaturgen sowie Dirigentinnen und Dirigenten.
Siegfried, Bergfried, Gottfried oder Wahnfried – das klingt nach germanischem Musikdrama, nach bürgerlichem Ernst, Leitmotivik und Sitzfleisch. Genauso knietief in der Nationalromantik steckt «Zornfried», der 2019 erschienene Roman von Jörg-Uwe Albig, den Philipp Krebs nun als großes Musiktheater für das Staatstheater Kassel komponiert hat. Die Geschichte beginnt mit dem Journalisten Jan Brock, der eines Tages gelangweilt im Staatstheater einer Podiumsdiskussion lauscht.
Wo sich gerade noch Intendanz, Expertinnen und Experten eingespielt einig sind über Kultur als Bastion gegen den Rechtsruck, stürmen nun paramilitärische Vermummte die Bühne und befestigen ein Transparent: «DIE TOTEN SIND’S, IN DENEN LEBEN WOHNT.» Brock recherchiert und gelangt so auf die Burg Zornfried. Dort begegnen ihm deutsche Eichen und Kraftorte, strammstehende Identitäre und nationalistische Vordenker. Auch Storm Linné residiert hier, Urheber des kryptischen Verses und Hofdichter der völkischen Bewegung. Seine Gedichte werden mit innerlichem Pathos rezitiert: «Wo knochen-saat in reicher erde sprießt Wo wille rotes fleisch mit leben lädt Wo echtes blut in satte reben schießt Und mann für heim und herd im ...
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Opernwelt April 2026
Rubrik: Magazin, Seite 95
von Kornelius Paede
Ein Ehrentag, den ich am liebsten vergessen will», sagte er damals gespielt genervt. «Wer möchte schon 80 sein?» Zubin Mehta hat sich damit abfinden müssen. Auch damit, dass er um den 29. April dieses Jahres besonders viel zu tun bekommt: Ob Wiener Philharmoniker, Staatskapelle Berlin oder Bayerisches Staatsorchester – alle wollen sie seinen 90. Geburtstag feiern,...
Über die «Zauberflöte», möchte man meinen, ist (fast) alles gesagt. Dutzende Meter füllen die Regale öffentlicher wie privater Bibliotheken, und auch im spätmodernen Diskurs gab es in jüngerer Vergangenheit immer wieder Deutungsversuche, die Mozarts 1791 in die Musikwelt entsandtes Singspiel auf ein Libretto von Emanuel Schikaneder dem Geist der Zeit (und manchmal...
Höhere Mächte? Werden nicht sichtbar in der Oper «Rusalka». Wankelmütige Wasserwesen und finstere Frauengestalten hingegen schon. Und wenn gegen diese nichts mehr hilft, kann man immer noch Frau Luna droben am nächtlichen Firmament flehentlich anheulen. So naturschön, so inniglich-irrlichternd wie die trübselige Titelheldin von Dvořáks Musikdrama vermag dies kaum...
