Die Maske muss runter

Philipp Krebs: «Zornfried»

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Das «unmögliche Kunstwerk» Oper lebt, allen Unkenrufen zum Trotz. Als Beleg mögen abseits der Pflege des kanonischen Repertoires auch und vor allem jene Stücke dienen, die sich mit der Tradition der Gattung auseinandersetzen, dabei aber neue Wege beschreiten. Um solche Werke des Musiktheaters soll es in dieser Rubrik gehen: um Uraufführungen, in denen neue Narrative kreiert werden und die Form selbst auf dem Prüfstand steht, zugleich aber auch jene Rezeption befragt wird, die sich mit der Wiederholung überlieferter Deutungsmuster begnügt. Zu Wort kommen Komponistinnen und Komponisten, Dramaturginnen und Dramaturgen sowie Dirigentinnen und Dirigenten.

Siegfried, Bergfried, Gottfried oder Wahnfried – das klingt nach germanischem Musikdrama, nach bürgerlichem Ernst, Leitmotivik und Sitzfleisch. Genauso knietief in der Nationalromantik steckt «Zornfried», der 2019 erschienene Roman von Jörg-Uwe Albig, den Philipp Krebs nun als großes Musiktheater für das Staatstheater Kassel komponiert hat. Die Geschichte beginnt mit dem Journalisten Jan Brock, der eines Tages gelangweilt im Staatstheater einer Podiumsdiskussion lauscht.

Wo sich gerade noch Intendanz, Expertinnen und Experten eingespielt einig sind über Kultur als Bastion gegen den Rechtsruck, stürmen nun paramilitärische Vermummte die Bühne und befestigen ein Transparent: «DIE TOTEN SIND’S, IN DENEN LEBEN WOHNT.» Brock recherchiert und gelangt so auf die Burg Zornfried. Dort begegnen ihm deutsche Eichen und Kraftorte, strammstehende Identitäre und nationalistische Vordenker. Auch Storm Linné residiert hier, Urheber des kryptischen Verses und Hofdichter der völkischen Bewegung. Seine Gedichte werden mit innerlichem Pathos rezitiert: «Wo knochen-saat in reicher erde sprießt Wo wille rotes fleisch mit leben lädt Wo echtes blut in satte reben schießt Und mann für heim und herd im ...

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Opernwelt April 2026
Rubrik: Magazin, Seite 95
von Kornelius Paede

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