EIN WAHNSINN
Es kann nicht gutgehen. Dieser Hermann ist ein hoffnungsloser Fall, ein einsamer Trinker, er gehört nicht dazu und läuft durch die Welt wie ein Wozzeck durch Sankt Petersburg. Beim fatalen Kartenspiel schaut er nur zu, und von der jungen Frau, die er anbetet, will er nicht einmal den Namen wissen, damit die Projektion nicht von der Wirklichkeit gestört wird.
Und als sich Lisa, gerade mit dem Fürsten Jelezki verlobt, für Hermann eigentlich unerreichbar, ganz unwahrscheinlicher Weise doch diesem Unglücksvogel hingibt (oder vielmehr seinem Wahn absoluter Liebe), ist es eine Katastrophe, die sie nicht überlebt. So wie sein Spiel um alles oder nichts am Ende mit nichts endet, weil das Geheimnis der Karten, das ihm der Geist der alten Gräfin geflüstert hat, beim Showdown mit Jelezki nicht funktioniert. Er kann sich nur erschießen. Ein Verhängnis schwebt über ihm, und Tschaikowskys Musik zieht uns, die Zeugen eines nicht abwendbaren Schicksals, tief hinein in den Strudel dieses Unglücks, mit ihren pulsenden Ostinati, dem stur dräuenden Klopfen des Dreikartenmotivs, mit ihrem unerbittlichen Vorwärtsdrängen, den romantischen Großgesten und dann wieder Momenten depressivster ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt 6 2022
Rubrik: Panorama, Seite 48
von Holger Noltze
Oper light war gestern: Bei der Premiere von Gounods «Roméo et Juliette» wurde in Kaiserlautern wieder aus dem Vollen geschöpft: Rosarote Flamingos, glitzernde Kugelfische, Hummer, Libellen, schillernde Pfauen und anderes Getier rotierten in wildem Farbwirbel über die Bühne. Nach den vielen abgespeckten Kammerfassungen, die in den vergangenen zwei Jahren...
Auf der extrem langgezogenen Bühne des Salzburger Festspielhauses sind allerlei Geländer montiert; zur Rechten ein wenig in modernem (oder doch georgsbekreuzten?) Rot-Weiß wegironisiert. Andere dieser Vorrichtungen, über die anfangs auch mehrheitlich hinweggestiegen werden muss, grenzen eine nachempfundene Bootseinfahrtsmöglichkeit ab. Ein bewegliches Bühnenmodul...
Mit seinen mehr als 400 Liedern gehört der Schweizer Othmar Schoeck zu den produktivsten musikalischen Lyrikern des 20. Jahrhunderts. Im Konzert begegnet man den originellen, stilistisch zwischen Spätromantik und Moderne vermittelnden Kompositionen höchst selten. Selbst eine 2017 erschienene Gesamtedition seines Liedœuvres auf zwölf CDs hat nichts daran geändert....
