Ein tiefes Bedürfnis

Seit 27 Jahren steht er auf der Bühne. Zumeist als Liedinterpret, in ausgewiesenen Rollen aber auch im Musiktheater. Nicht erst seit gestern zählt Matthias Goerne zu den gefragtesten Baritonen seiner Generation. In jüngster Zeit hat er unter anderem Wagners Wotan und Wanderer gesungen. Bei den Salzburger Festspielen verkörpert der 50-Jährige nun wieder seine liebste Partie: Bergs Wozzeck

Opernwelt - Logo

Herr Goerne, Sie kommen gerade aus San Francisco. Hat sich das Leben, die Stimmung in den Vereinigten Staaten spürbar verändert, seit Donald Trump Präsident ist?
Zunächst: Die USA haben genau den Präsidenten, den sie verdienen. Die Bildung befindet sich auf einem furchtbaren Niveau, die meisten Menschen schuften nur noch für die Miete, bis zu 15 Stunden pro Tag. Da liest am Abend keiner mehr ein Buch. Aber dieser Zustand ist nicht neu. Er musste nur lange genug dauern, bis einer wie Trump Präsident werden konnte. Schlimm war es auch schon vorher.

Ich fürchte, dass das genau so gewollt ist: auf der einen Seite die ungebildete, leicht manipulierbare Masse mit Heerscharen von Obdachlosen; auf der anderen wenige Superreiche. Die Eliten haben meines Erachtens total versagt.

In einem solchen Umfeld die «Michelangelo-Suite» von Schostakowitsch oder Lieder von Schumann vorzutragen – ist das nicht anachronistisch?
Mag sein. Aber das muss ich ausblenden. Zumal mein Bestreben ein anderes ist: Ich will Kunst machen. Und ich denke dabei nie an materielle Dinge. Irgendwann, wenn man als Künstler erfolgreich ist, verdient man natürlich auch ganz gut. Aber das ist relativ, wenn man an die Einkommen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt August 2017
Rubrik: Interview, Seite 28
von Jürgen Otten

Vergriffen
Weitere Beiträge
Was kommt... August 2017

Festivals
Sommerzeit ist Festspielzeit. Von Salzburg bis Santa Fe, von Bregenz bis Bayreuth, von Glyndebourne bis Grange Park, von Aix-en-Provence bis Savonlinna, von Martina Franca bis Mörbisch brummt der Festivalbetrieb

Pavol Breslik
Angefangen hat er als Bariton. Doch längst zählt er zu den interessantesten Tenören der Opernszene, ist nach wie vor der Tamino vom...

Editorial August 2017

Wir haben es kommen sehen. Unsere im Jahrbuch «Oper 2016» veröffentlichte «Chronique scandaleuse» über Planungschaos und explodierende Kosten auf der Kölner Bühnenbaustelle schloss mit einer düsteren Prognose: «Die Verantwortlichen gehen davon aus, dass ... die Sanierung womöglich noch mehrere Jahre erfordert.» Da hatte der nach Aufdeckung massiver Baumängel neu...

Mätzchenfrei

Ein biografischer Bezug? Den gibt es sogar im Fall von Oberammergau. 1871 reiste Richard Wagner zum Passionsspiel, ließ sich fürs eigene Œuvre inspirieren, von der Landschaft hinreißen. «Hier ist alles über jede Beschreibung hinaus schön», notierte er. Doch eigentlich braucht das Holzschnitzerdorf, inmitten der alle zehn Jahre stattfindenden Kreuzigungsspektakel,...