Ein tiefes Bedürfnis
Herr Goerne, Sie kommen gerade aus San Francisco. Hat sich das Leben, die Stimmung in den Vereinigten Staaten spürbar verändert, seit Donald Trump Präsident ist?
Zunächst: Die USA haben genau den Präsidenten, den sie verdienen. Die Bildung befindet sich auf einem furchtbaren Niveau, die meisten Menschen schuften nur noch für die Miete, bis zu 15 Stunden pro Tag. Da liest am Abend keiner mehr ein Buch. Aber dieser Zustand ist nicht neu. Er musste nur lange genug dauern, bis einer wie Trump Präsident werden konnte. Schlimm war es auch schon vorher.
Ich fürchte, dass das genau so gewollt ist: auf der einen Seite die ungebildete, leicht manipulierbare Masse mit Heerscharen von Obdachlosen; auf der anderen wenige Superreiche. Die Eliten haben meines Erachtens total versagt.
In einem solchen Umfeld die «Michelangelo-Suite» von Schostakowitsch oder Lieder von Schumann vorzutragen – ist das nicht anachronistisch?
Mag sein. Aber das muss ich ausblenden. Zumal mein Bestreben ein anderes ist: Ich will Kunst machen. Und ich denke dabei nie an materielle Dinge. Irgendwann, wenn man als Künstler erfolgreich ist, verdient man natürlich auch ganz gut. Aber das ist relativ, wenn man an die Einkommen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Ja, dergleichen passiert, wenn Frauen zu sehr lieben. Dann gibt es Ärger, weil nicht der Mann vor Ort ist, dem die tiefe Neigung gilt. In Mozarts jugendlichem Geniestreich, der viel zu selten auf der Bühne zu erleben ist, trifft es Aspasia, die Verlobte des Königs. Der hat sich, um die Tugend seiner Söhne zu überprüfen, totgemeldet und muss nun den Tatsachen tief...
Der Titel einer vor drei Jahren im Verlag Königshausen & Neumann erschienenen Essaysammlung über die «große, komische Oper» des Magdeburger Kapellmeisters trifft die Sache auf den Punkt: «Das ungeliebte Frühwerk». Gewiss, von Zeit zu Zeit tauchte das durch Wilhelm Heinses libertäres «Ardinghello»-Utopia und Shakespeares «Maß für Maß» inspirierte «Liebesverbot» in...
Er hatte mit seinen Opern ein ähnliches Glück (oder Unglück, je nach dem) wie mit seinen Symphonien: Einige werden gelegentlich gespielt, doch viel zu selten. Im Vergleich zu zwei grandiosen Orchesterwerken allerdings, «Parabel» und dem Klavierkonzert «Incantations», ist Bohuslav Martinůs zur gleichen Zeit entstandene, erst posthum, 1961 uraufgeführte Oper «Die...
