Sängerfest

Mozarts «Mitridate» aus Paris mit Emmanuelle Haïm und ihrem Ensemble Le Concert d’astrée

Opernwelt - Logo

Ja, dergleichen passiert, wenn Frauen zu sehr lieben. Dann gibt es Ärger, weil nicht der Mann vor Ort ist, dem die tiefe Neigung gilt. In Mozarts jugendlichem Geniestreich, der viel zu selten auf der Bühne zu erleben ist, trifft es Aspasia, die Verlobte des Königs. Der hat sich, um die Tugend seiner Söhne zu überprüfen, totgemeldet und muss nun den Tatsachen tief ins Auge blicken: Seine Auserwählte liebt Sifare, und der liebt sie. Das tut, unpassenderweise, aber auch sein Bruder Farnace, dem eigentlich die schöne Ismene zugedacht war ...

Das Drama nimmt seinen Lauf – und endet, wie sollte es anders sein, mit der clemenza des humanen Herrschers. Die Kunst des Verzeihens triumphiert über das reine Begehren.

2016 kam die Inszenierung von Clément Hervieu-Léger am Théâtre des Champs-Elysées heraus (siehe OW 4/2016). Ein Theater auf dem Theater, mit racineskem Einschlag, psychologisch plausibel, letztlich aber ein bisschen fade. Sieht man nun das Ergebnis, den Live-Mitschnitt der Vorstellung am 20. Februar 2016, stört das nicht besonders. Denn die Solisten sind fast ausschließlich von erlesener Güte. Allen voran Sabine Devieilhe als Ismene. Nicht nur, dass ihr Sopran sternenklar ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt August 2017
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 21
von Jürgen Otten

Vergriffen
Weitere Beiträge
Getrieben

Das vielleicht Schönste an dieser Premiere ist die Rückkehr zum Wichtigsten. Zur nie endenden Diskussion darüber, wie Giuseppe Verdis «Otello» musikalisch beizukommen sei, genauer: wie der ideale Titelheld klingen sollte. Kompositorische Absicht und Rezeptionsgeschichte, die vokale Situation anno 1887 und die Herausbildung eines Geschmacks, in dem das Klangstahlbad...

Heikle Groteske

In seiner letzten Oper «Der goldene Hahn» erzählt Nikolai Rimsky-Korsakow, frei nach Alexander Puschkins gleichnamigem Versmärchen, eine «unglaubliche Geschichte» (so der Untertitel): Ein Intellektueller, ein Machthaber und eine freie Frau treffen aufeinander. Der Astrologe benutzt den Zaren Dodon, um in den Besitz der Zariza von Schemachan, einer Orientalin, zu...

Ewig währendes Unrecht

Er hatte mit seinen Opern ein ähnliches Glück (oder Unglück, je nach dem) wie mit seinen Symphonien: Einige werden gelegentlich gespielt, doch viel zu selten. Im Vergleich zu zwei grandiosen Orchesterwerken allerdings, «Parabel» und dem Klavierkonzert «Incantations», ist Bohuslav Martinůs zur gleichen Zeit entstandene, erst posthum, 1961 uraufgeführte Oper «Die...