Ein Held der Selfie-Zeit
Ein falscher Fuffziger, dieser Siegfried. Zwar erklärt er, «ihrem Manne gehorchte Brünnhild eine volle bräutliche Nacht», doch als Gutrune eifersüchtig zu bedenken gibt, dass er ja selbst in Gestalt dieses Mannes Gunther um die Walküre geworben hatte, antwortet er kryptisch: «So nah – war Brünnhild ihm fern». Banal gesagt: «Okay, Honey, ich hab mit ihr geschlafen – aber dabei nur an dich gedacht.» Wer’s glaubt, wird selig.
Auch Uwe Eric Laufenberg, in seiner Inszenierung der «Götterdämmerung» in Linz, glaubt nicht an Siegfrieds Aussagen.
«Nun, Nothung, zeuge du, dass ich in Züchten warb. / Die Treue wahrend dem Bruder, trenne mich von seiner Braut»: Bloß ein zynisches Lippenbekenntnis. Denn bei Laufenberg knöpft der rabiate Held und Täuscher sich am Schluss des ersten Aufzugs den Hosenschlitz auf und macht sich brutal über die in Ohnmacht Gefallene her, seine – immerhin bekleidete – Kehrseite zum düsteren h-Moll keck auf und ab bewegend, ins Blackout hinein. Was wohl als Provokation gemeint war, wirkt wie eine Karikatur.
Immerhin passt das alles gut zum Bild, das Laufenberg bereits in «Siegfried» vom Titelhelden entworfen hatte – das eines eiskalten Jungunternehmers unserer ...
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Opernwelt April 2015
Rubrik: Panorama, Seite 40
von Gerhard Persché
Italienische Schuhe sind für konzertante Opernaufführungen einfach nicht gemacht. Klick, klack, klick, klack. Vom Kontrollmitschnitt der «Aida» unter Antonio Pappano wird Warner für die CD-Veröffentlichung (geplant für Oktober) nicht viel verwenden können – aufgrund der geräuschvollen Auf- und Abtritte Anja Harteros’, Jonas Kaufmanns und der übrigen Solisten....
Der Befund ist kaum neu: So wie das Schauspiel immer weniger seinen Texten vertraut und durch den Griff der Protagonisten nach dem obligatorischen Mikrofon zum Musiktheater wird, so wird in der Oper der Vertrag mit der Partitur brüchiger. Solange aber Uraufführungen als Auftragswerke in den herkömmlichen Opernbauten und unter den üblichen Bedingungen genormter...
Stanislaw Lem sah die vielen Bearbeitungen seines Sci-Fi-Romans «Solaris» von 1961 mit Skepsis. «Alles Interessante an meinem Roman bezog sich auf das Verhältnis der Menschen zu diesem Ozean als einer nicht-humanoiden Intelligenz – nicht auf irgendwelche zwischenmenschlichen Liebesgeschichten», bemerkte er 2001 zu Steven Soderberghs Verfilmung. Selbst Tarkowskis...
