Ein gewissen Sehnen
Mozarts Briefe – man glaubt sie zu kennen, und kennt sie doch nicht. Oft wurden die «Häsle Bäsle» Briefe zitiert oder die verzweifelten Versuche des Sohnes, den Vorwürfen seines Vaters zu begegnen. Immer wieder sind sie Stoff für innovative Theaterprojekte, daneben auch Forschungsgegenstand der Musikwissenschaft, die aus Mozarts Äußerungen zu musikalischen Fragen Rückschlüsse zur Aufführungspraxis und Ästhetik der Musik seiner Zeit zu ziehen versucht.
Der Bärenreiter-Verlag hat jetzt ein kleines, bibliophiles Bändchen mit Mozarts Briefen an seine Frau Constanze veröffentlicht. Herausgeberin ist die Musikwissenschaftlerin Silke Leopold, die in Vorwort und Kommentaren überkommene, gleichwohl hartnäckig sich haltende Urteile über das «größte Genie der bekannten Menschheitsgeschichte» und seiner «bestürzend banalen» Ehefrau (so der Mozart-Biograf Hildesheimer) hinterfragt.
Dabei kristallisiert sich heraus, dass in den knapp zehn Ehejahren aus der anfänglich eher unleidenschaftlichen Beziehung zur schwarzäugigen Schwester der vormals heftig umworbenen Aloysia Weber eine innige, vertraute Nähe wird, die nur jenseits von Standesdünkel und Vorteilsdenken gedeihen konnte. In diesen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Als Maria Callas und Sir John Barbirolli im Juni 1953 an der Londoner Covent Garden Opera gemeinsam eine Serie von «Aida»-Vorstellungen absolvierten, wurden beide von der Kritik ziemlich einhellig verrissen. Man warf dem Dirigenten zahlreiche Wackelkontakte zwischen Bühne und Graben vor, der Gesang der Diva wurde als «Pein für empfindliche Ohren» abgekanzelt. Was...
Es sei ja schön, dass der neue Papst Klavier spielen könne, sagte Karlheinz Stock-hausen kürzlich in einem Interview. Noch schöner wäre es freilich, wenn Benedikt XVI. «Fortschritte machen und auch meine Klavierstücke spielen würde, anstatt nur Bach und Beethoven». Das ist weniger preziös, als es klingt. Stockhausen ist ein Papst der klingenden Moderne und zugleich...
Wer den Namen José María Usandizaga noch nie gehört hat, braucht sich dieser Bildungslücke nicht zu schämen und hat doch etwas verpasst – was er jetzt nachholen kann. Der Schüler von Vincent d’Indy wurde mit seiner ersten Oper «Mendi Mendiyan» (Hoch in den Bergen), die 1910 in Bilbao ihre erfolgreiche Uraufführung erlebte, zum musikalischen Herold der baskischen...
