Ein echter Coup

Vinci: Alessandro nell’Indie BAYREUTH | MARKGRÄFLICHES OPERNHAUS

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Die Augen, die Wangenknochen, die Bewegungen – es könnte eine Enkelin von Cher sein, gesegnet mit einer Stimme, hell, höhensicher, schlank, mit apartem Vibrato, die für Susanna oder Cleopatra taugt. Doch die Frau ist ein Kerl, wie alle hier, somit authentisch: Zur Zeit der Uraufführung 1729, als die Geistlichkeit ihre Mätressen schwängerte, verbot sie gleichzeitig den Frauen die Bühne.

Und wie aus «Notwehr» ein verblüffend prickelndes Gender-Schillern werden kann, führt bei der Wiederbelebung von Leonardo Vincis «Alessandro nell'Indie» besonders Bruno de Sá als indische Königin Cleofide vor. 

Doch keine Transenparade, kein Dragqueen-Auflauf! Für Max Emanuel Cencic, Festivalchef von Bayreuth Baroque und erneut als Regisseur aktiv, ist die Verkleidung Mittel zum Zweck. Das begeisterte Publikum im Markgräflichen Opernhaus holt er auf der kulinarischen Ebene ab. Samt und Seide dürfen in Farbexplosionen bauschen, während das Funkeln von Strass, Pailletten oder anderem Ersatzmaterial die Netzhaut fast überfordert. Eine Bollywood-Orgie, die Vincis Dreiakter für Hintergründiges nutzt. Fast 300 Jahre lang wurde das Stück nicht gespielt. Das Libretto von Pietro Metastasio war ein Bestseller ...

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Opernwelt 11 2022
Rubrik: Panorama, Seite 38
von Markus Thiel

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