Magie des Augenblicks
Meist sitzt sie im Dunkel. Unbemerkt, fast möchte man meinen: unscheinbar. Aber gerade darin liegt ihre große Stärke: Dass sie sich zurückzieht auf die Position der Beobachterin, deren einziges Interesse es ist, die Blicke der anderen einzufangen, und dass sie imstande ist, diesen einen, flüchtig-konzentrierten Moment festzuhalten, in dem diese Blicke fokussiert sind – auf eine andere Person, auf einen Gegenstand, auf eine Situation; diese Sekunde, in der sich Entscheidendes ereignet, etwas, das vom Zuschauer fast nicht zu sehen und doch so wichtig für den Abend ist.
Theaterfotografie ist ein wenig wie ein Dinosaurier. Mit der rasanten, sich immer wieder beschleunigenden virtuellen Bilderwelt kann sie kaum mehr mithalten, dafür ist sie schlicht zu altmodisch, zu bedächtig, zu träge. Doch eben in dieser Langsamkeit liegt die Kunst, in diesem Nichtdarüber-Hinweggehen. Theaterfotografie besitzt, wenn sie gut gemacht wird, die Fähigkeit, mehr zu sein als ein Bild. Sie besitzt die Fähigkeit, eine ganze Gedankenwelt abzubilden.
Monika Rittershaus zählt in diesem «Fach», das im günstigsten Fall eine eigene Kunstform ist, seit Jahrzehnten zu den Besten. Sie weiß, wann sie auf den ...
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Opernwelt 11 2022
Rubrik: Magazin, Seite 76
von Jürgen Otten
Man schrieb das Jahr 1996 an der Adria. Juan Diego Flórez, eigentlich für eine kleine Rolle vorgesehen, übernahm die zentrale Tenorpartie in «Matilde di Shabran». Und ebnete sich damit den Weg auf die großen Bühnen der Welt. Auch in diesem Jahr war Flórez beim Rossini Opera Festival in Pesaro zu hören, in der Titelrolle von «Le comte Ory», den Gioachino Rossini...
Die Welt nach Erath ist eine Scheibe, und ungefähr neun Zehntel davon gehören dem Orchester. Die Szene – immerhin ist die Geschichte des Untergangs von Troja und danach die von Liebe und Verrat in Karthago zu erzählen – findet fast ausschließlich auf dem schmalen Randstreifen statt. Daneben ist auf der einen Seite gerade noch Platz für jene sechs Harfen, die...
Liebe, so hat es Stendhal einmal sehr schön notiert, beginne mit gegenseitiger Verwunderung, mit jenem augenblickshaften Erstaunen der darin Verwickelten, das die Existenz des anderen für kaum möglich gehalten hätte. Doch war sich Marie-Henri Beyle darüber im Klaren, dass es verschiedene Formen der Liebe gibt. Er selbst unterschied vier Arten: Liebe aus...
