Gefühlsachterbahn
Mozarts «Zauberflöte» war für Nikolaus Habjan seine erste Begegnung mit der Welt der Oper. Jetzt hat der gebürtige Grazer das zwischen feierlichem Ernst und possenhafter Komik changierende Stück in Dortmund erstmals selbst inszeniert und dazu auch zwei der für seine Arbeiten charakteristischen lebensgroßen Puppen mitgebracht, die, von zwei Puppenspielern geführt, mit den Händen, aber auch mit dem Mund agieren können. Mit der Königin der Nacht und Sarastro sind es, kaum zufällig, die sich bekämpfenden Protagonisten der alten, untergehenden Welt.
Gerade in ihrer ästhetischen Verfremdung wirken sie lebendiger als die auf der Bühne stehenden leibhaftigen Sängerinnen und Sänger und sorgen für die stärksten Eindrücke des Abends.
In Habjans Sicht rücken die beiden Kontrahenten überdies näher zusammen, als man es sonst sieht. Die aus dem unheimlichen, nachtdunklen Wald auftauchende sternflammende Königin ist eine dämonische Furie – fantastisch schwarz gekleidet wie ihre Entourage, die drei Damen. Die Sarastro-Puppe sitzt als in sich zusammengefallener, sichtlich an Parkinson leidender seniler Greis im Rollstuhl und wird von Denis Velev gefahren, der die Partie fast zu balsamisch singt. ...
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Opernwelt 11 2022
Rubrik: Panorama, Seite 51
von Uwe Schweikert
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