Ein-Blicke

Spielen dürfen sie, wenn überhaupt, nur vor leer gefegtem Saal und laufenden Kameras. Dennoch proben viele Opernhäuser unverdrossen und mit nicht nachlassender künstlerischer Intensität weiter und präsentieren die Ergebnisse dieser Probenprozesse via Streaming-Service. Die «Opernwelt» dokumentiert in loser Folge einige Ausschnitte dieser wichtigen Arbeit

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Wiesbaden
«Il trovatore»

Das Stück ist ein einziges Rätsel. Seine Dramaturgie geradezu verstörend. Doch gerade aus dieser erheblichen Unwucht und der fehlenden Stringenz der Handlung bezieht Verdis vierte Oper ihren enormen Reiz. Weil sie Assoziationen freisetzt, Traumwelten kreiert, Spielräume eröffnet. Die auch der Regisseur Philipp M. Krenn für seine farben- und anspielungsreiche Inszenierung nutzte, die indes nur bis zur Klavierhauptprobe im März 2020 gedieh und seither «auf Halde» liegt. Hoffentlich nicht mehr lange.

Berlin | Konzerthaus
«SchattenGold»

Ein Mann verkauft seinen Schatten. Und leidet fortan. Jeder kennt die Geschichte des armen Peter Schlemihl. Matan Porat (Komposition) und Olga Myschkina (Libretto) haben sich des Stoffes bemächtigt und ihn neu gedacht. «SchattenGold» lautet der zauberhafte Titel dieses Abends, bei dem Dan Tanson Regie führt, Christin Vahl die Ausstattung besorgte und Katrin Bethge die Projektionen schuf. Mitte April soll Premiere sein ...

München
«Der Freischütz»

Didaktik will gelernt, geübt und auch ein bisschen gekonnt sein. Die merkwürdige Art und Weise von Didaktik, die sich Dmitri Tcherniakov für seine distanziert-kaltschnäuzige, nur für ...

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Opernwelt April 2021
Rubrik: Im Focus, Seite 32
von Red.

Weitere Beiträge
Liebe ist nur eine Utopie

Der Asket, ätzte einmal Friedrich Nietzsche, mache aus der Tugend eine Not. Massenets Oper «Thaïs» konnte er damit nicht gemeint haben – deren Uraufführungsjahr 1894 fand ihn bereits in geistiger Umnachtung. Nichtsdestoweniger passt sein Aphorismus gut auf den Keuschheitsfimmel und die paulinisch geprägte Leibesfeindlichkeit des Mönchs Athanaël, der die Seele der...

Ein unmoralischer Stoff

Jules Massenet teilt das Schicksal etlicher erfolgreicher Opernkomponisten des langen 19. Jahrhunderts. Nach seinem Tod 1912 geriet er unter Kitsch-Verdacht, zumal in einem Frankreich, das die eigene Tradition abschütteln wollte, indem es sich der Wagner-Nachfolge und dem Symbolismus verschrieb. Wer kennt heute noch «Le roi de Lahore», «Hérodiade» oder «Le Cid»?...

Einfach nur sein

Herr Nigl, wie sind Sie eigentlich zum Lied gekommen?
Ich habe früher mit einem Freund die Schubert- und Schumann-Bände durchgespielt und durchgesungen. Und wann immer man sich ein Lied anhören wollte, kam man um Fischer-Dieskau nicht herum. Ein Donnervater, ein Monolith. Und wenn ich an Wunderlich dachte, war ich froh, dass ich kein Tenor war – sonst wäre ich...