Edle Einfalt, nicht ganz so stille Größe
Im vergangenen Februar wurde die Produktion nochmals dem Fundus entrissen. Für Tenorissimo Michael Spyres, der an der Donau seinen ersten Florestan sang – malerisch zerlumpt, wie es in Otto Schenks Regie-Oldtimer so Sitte war. Wobei Regie: Von diesem «Fidelio» war ohnehin nur noch die Kulissenhülle eines Günther Schneider-Siemssen übrig. 55 Jahre hatte die Produktion auf dem Buckel, ein liebgewordenes Museumsstück, Opern-Vintage pur. Umso größer die Empörung der Orthodoxen, als sich eine Neuinszenierung ankündigte.
Der «Fidelio» gilt in der Uraufführungsstadt schließlich als Heiligtum und Feststück für alle Fälle. 1938 ließ sich Hermann Göring damit feiern, 1955 wurde die Staatsoper unter dem NS-belasteten Karl Böhm damit wiedereröffnet, zuletzt inszenierte Christoph Waltz das Werk 2020 am Theater an der Wien, Corona-bedingt nur für die Kameras.
Dabei eilt Nikolaus Habjan, Regisseur, Puppenspieler und Kunstpfeifer, alles andere als ein Revoluzzer-Ruf voraus. Am Ende der Premiere einige wenige Buhs, die Ovationen hingegen klingen nach Erleichterung. Man spielt – natürlich – die Drittfassung von 1814 und – natürlich – die dritte «Leonoren»-Ouvertüre vor dem Finale. Dafür gibt es ...
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Opernwelt Februar 2026
Rubrik: Im Focus, Seite 8
von Markus Thiel
Satte 81 Jahre alt ist Peter Konwitschny, und noch immer bereitet es ihm Bauchschmerzen, dass ein Großteil der Opern im Repertoire auf frauenfeindliche Texte komponiert wurde, für die man «sich schämen sollte», wie es der Regisseur im Instagram-Interview der Bonner Oper zu Protokoll gibt. Weil er aber als Sohn eines großen Dirigenten die Musik leidenschaftlich...
Monate, ja Wochen gab es, da hatte er fast täglich zu tun. Und dies immerhin in der Schwergewichtsklasse der beiden großen Richards. Geplante Engagements, Proben, dazwischen ein schnelles Einspringen: Es schien, dass Thomas Johannes Mayer dann erst richtig aufblühte. Einfach weil er es konnte. Weil er die großen Bariton-Partien mühelos abrufen konnte, und weil er...
Frau Horáková, Sie sind nicht nur Regisseurin, sondern auch ausgebildete Sängerin. Singen Sie manchmal noch? Sehr selten. Wenn die Laune gut ist und ich Fahrrad fahre, dann kann es vorkommen, dass ich noch einmal ein bisschen «Carmen» singe. Sonst aber kaum mehr, nicht einmal mehr unter der Dusche. Ich freue mich jedes Mal, wenn ich probe, dass ich nicht selbst...
