Die Sonne leuchtet allen
Donnerstagmittag, 14:00 Uhr, es wird zeitgenössisches Musiktheater aufgeführt, und das Haus ist ausverkauft. Die Dresdnerinnen und Dresdner scheinen eine Verdauungsoper nach dem Mittagessen zu schätzen (selbst im Weihnachtsstress wenige Tage vor dem vierten Advent), vielleicht hat sich in der Stadt aber auch herumgesprochen, dass es mit Hans Abrahamsens «The Snow Queen« ein außerordent -liches Stück in einer ebenso außerordentlichen Inszenierung zu erleben gibt.
Abrahamsen, der dänische Komponist, bringt den riesigen Orchestergraben der Semperoper an den Rand der Kapazität mit seinem Aufgebot an Instrumenten. Allein schon sieben Pauken versammeln sich da in der Ecke, Keyboard und Akkordeon sitzen mit im Orchester, vielfache Bläser kommen hinzu, die auch mal zu Nebeninstrumenten wie Oboe d’amore oder Wagner-Tuba greifen. Die beiden Harfen müssen in die linke Proszeniumsloge ausgelagert werden, gegenüber ist ein Xylophon untergebracht, aus der Loge zwei Stockwerke darüber singen Frauenstimmen. Der Aufwand an Mitteln ist gewaltig, das Ergebnis, wie bei allen Komponisten, die gut zu instrumentieren verstehen, von hinreißender Feinheit. Wirklich laut wird es in dieser Oper nie, ...
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Opernwelt Februar 2026
Rubrik: Im Focus, Seite 6
von Clemens Haustein
Ist es möglich, denkbar, fühlbar? Eine Liebe, so glühend und intensiv, so weitreichend und existenziell, dass die Dichterin sie mit einer Farbe vergleicht, die es eigentlich gar nicht gibt? Wohl nur die (deutsche) Romantik vermochte solche Extreme zu formulieren, in ihrer Sehnsucht nach dem Unendlichen. Karoline von Günderode, die Frühvollendete (gerade mal 26...
Uraufführung I
Eine «aberwitzige Satire zum Stand der Gegenwart» verspricht Olga Neuwirth s neue Oper «Monster’s Paradise». Elfriede Jelinek schrieb das Libretto zu dieser Grand-Guignol-Opéra, Tobias Kratzer inszeniert das Stück an der Hamburgischen Staatsoper. Bleibt nur die vorsichtige Frage, ob Neuwirths «Polit -groteske» vielleicht schon längst von der bizarren...
Der Marquise de Pompadour, geborene Jeanne-Antoinette Poisson, von 1745 bis 1761 Maîtresse-en-titre Louis XV und spätere Duchesse de Menard, wird jenes lakonisch-zynische Bonmot zugewiesen, das noch heute vielen Menschen aus dem Mund herausplumpst, wenn irgendetwas krachend schief gegangen ist: «Après nous le déluge», zu Deutsch: Nach mir die Sintflut. Selbiges...
