Die Sonne leuchtet allen
Donnerstagmittag, 14:00 Uhr, es wird zeitgenössisches Musiktheater aufgeführt, und das Haus ist ausverkauft. Die Dresdnerinnen und Dresdner scheinen eine Verdauungsoper nach dem Mittagessen zu schätzen (selbst im Weihnachtsstress wenige Tage vor dem vierten Advent), vielleicht hat sich in der Stadt aber auch herumgesprochen, dass es mit Hans Abrahamsens «The Snow Queen« ein außerordent -liches Stück in einer ebenso außerordentlichen Inszenierung zu erleben gibt.
Abrahamsen, der dänische Komponist, bringt den riesigen Orchestergraben der Semperoper an den Rand der Kapazität mit seinem Aufgebot an Instrumenten. Allein schon sieben Pauken versammeln sich da in der Ecke, Keyboard und Akkordeon sitzen mit im Orchester, vielfache Bläser kommen hinzu, die auch mal zu Nebeninstrumenten wie Oboe d’amore oder Wagner-Tuba greifen. Die beiden Harfen müssen in die linke Proszeniumsloge ausgelagert werden, gegenüber ist ein Xylophon untergebracht, aus der Loge zwei Stockwerke darüber singen Frauenstimmen. Der Aufwand an Mitteln ist gewaltig, das Ergebnis, wie bei allen Komponisten, die gut zu instrumentieren verstehen, von hinreißender Feinheit. Wirklich laut wird es in dieser Oper nie, ...
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Opernwelt Februar 2026
Rubrik: Im Focus, Seite 6
von Clemens Haustein
Einen «Kosaken» nannte Ludwig Geyer seinen offenbar äußerst lebhaften Stiefsohn Richard Wagner – und äußerte sich damit wohl aus einer Sympathie seiner Zeit heraus. Die Russen galten seit der Völkerschlacht bei Leipzig (sie fand ein halbes Jahr nach Wagners Geburt statt) als Befreier von der Knechtschaft unter Napoleon. Der Exotismus, der sich aus dem Auftauchen...
Nein, es ist nicht der Dichter, der spricht. Es ist der Komponist. Leise, eindrücklich, leicht schnarrend klingt seine Stimme, und was sie sagt, reicht tief, zum Kern (und in die Katakomben) der Condition humaine. György Kurtág rezitiert Gedanken des ungarischen Reformators, Philosophen und Sophokles-Übersetzers Péter Bornemisza, es ist der Prolog zu einer 2017 in...
Satte 81 Jahre alt ist Peter Konwitschny, und noch immer bereitet es ihm Bauchschmerzen, dass ein Großteil der Opern im Repertoire auf frauenfeindliche Texte komponiert wurde, für die man «sich schämen sollte», wie es der Regisseur im Instagram-Interview der Bonner Oper zu Protokoll gibt. Weil er aber als Sohn eines großen Dirigenten die Musik leidenschaftlich...
