Edle Anmut, leise Größe
Der Mann war ein Phänomen. Pietro Antonio Domenico Bonaventura Trapassi, 1698 in Rom als Sohn eines Gemüsehändlers geboren, gelangte unter seinem Künstlernamen Metastasio europaweit zu ewigem Ruhm. Kaum ein Komponist seiner Zeit kam an den Libretti dieses literarisch so ungemein begabten Dichters vorbei. Der Grund lag auf der Hand: Metastasio besaß die singuläre Fähigkeit, noch die kompliziertesten, kühnsten und absurdesten zwischenmenschlichen Beziehungen so elegant und vital in Verse zu fassen, dass man den Geschichten meist mit dem größten Interesse zu folgen bereit war.
Das besaß Stil, Charme und erheblichen Witz. Doch nicht jeder Tonsetzer konnte diesem Wortwitz die geeigneten Töne hinzufügen, sodass die Zahl derjenigen Komponisten, die bis heute ein Schattendasein in den Schub -laden der Musikgeschichte fristen, enorm ist. Die Bühnenwerke eines Johann Adolph Hasse, eines Christoph Willibald Gluck und auch eines Tommaso Traetta kennt man zur Genüge. Aber wer wollte seriös von sich behaupten, über Leben und Wirken beispielsweise von Giovanni Battista Ferrandini, Michelangelo Valentini oder (mit Abstrichen) Andrea Bernasconi mehr zu wissen als einige winzige Tupferchen?
Das ...
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Opernwelt November 2023
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 34
von Jürgen Otten
Als Jean-Baptiste Lully 1687 starb, stand die Tragédie en musique vor einem epochalen Umbruch. Zwei Musiker schlugen neue Wege ein – André Campra und Henry Desmarest. Campra trug den Sieg davon, weil Desmarest, der begabteste Komponist in Lullys Nachfolge, 1699 aus Frankreich fliehen musste. Es dauerte mehr als drei Jahrhunderte, bis mit der 1694 uraufgeführten...
Vor Beginn der «eigentlichen» neuen Bregenzer Inszenierung von Jules Massenets Goethe-Vertonung «Werther» erleben wir die Realisierung eines Theaterkniffs, der einem häufig schon halbgar vor die Flinte gekommen ist: Vor dem Vorhang wird zunächst ein Text verlesen. Regisseurin Jana Vetten aber überführt dieses Konzept auf attraktive Weise ins Interessante. Denn der...
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