Manifest der Vieldeutigkeit

Johannes Held und Doriana Tchakarova mit 13 «Erlkönigen»

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Bis heute übt Johann Wolfgang von Goethes «Erlkönig» eine große Faszination auf Komponisten aus. Etwa 40 Vertonungen der Ballade hat die Pianistin Doriana Tchakarova identifiziert, dreizehn davon (die jüngste stammt vom 1967 geborenen Stefan Schulzki) hat sie nun mit dem Bariton Johannes Held aufgenommen. Was reizt zur musikalischen Gestaltung? Die Dramatik des Gedichts, die Vieldeutigkeit, die Vielstimmigkeit, die ´ filmische Bildhaftigkeit, und am Ende – die Tragik.

Ein Vater reitet mit seinem Sohn durch die Nacht, der Sohn sieht den Erlkönig, der ihn zu sich locken möchte, verführen mit zunehmend sexueller Konnotation («Ich liebe dich, mich reizt deine schöne Gestalt»). Was steckt dahinter? Ein Kind im Fiebertraum? Ein Vater in zwei Gestalten, mal als schützende, mal als bedrohende Person («Und bist du nicht willig, so brauch’ ich Gewalt»)? Eine Gespenstergeschichte? So einfach und klar die Handlung ist, die Goethe hier in Gedichtform erzählt, so offen ist der «Erlkönig» in seiner Bedeutung doch nach allen Seiten hin. Wohl der Hinweis auf ein großes Kunstwerk.

Die bekannteste Vertonung, jene von Franz Schubert (sie steht in der Mitte der Track-Liste und damit auf einem ...

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Opernwelt September/Oktober 2026
Rubrik: Medien, Seite 57
von Clemens Haustein

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