Editorial Opernwelt 8/26
Die Herren waren sich einig, über Parteigrenzen hinweg. In einer gemeinsamen Erklärung teilten Torsten Burmester, Kölns SPD-Oberbürgermeister, und Stephan Keller (CDU), sein Amtskollege aus dem benachbarten Düsseldorf, Mitte Juni der darob erstaunten Öffentlichkeit mit, sie würden in der Drogenpolitik kühne neue Wege beschreiten: In den «Rauschgiftkonsumräumen» beider Großstädte soll, was hierzulande eine Novität ist, in Zürich aber bereits praktiziert wird, der Mikrohandel mit harten Drogen toleriert werden.
Andernfalls, so das Gespann, werde es weder da noch dort gelingen, die rasant wachsende Rauschgiftszene in den Griff zu bekommen. Stichwort Sauberkeit, Stichwort Sicherheit. So einträchtig das Unterfangen anmutet, die Gemeinsamkeiten zwischen den beiden Metropolen enden damit fast schon. Und vor allem auf einem Gebiet könnte die Lage kaum unterschiedlicher sein. In Köln eröffnet, so Gott keinen Einspruch mehr erhebt, im September – nach einer Sanierungszeit von karnevalesken 14 Jahren – das Opernhaus am Offenbachplatz wieder seine Pforten. In Düsseldorf hingegen herrscht dicke Luft. Und bei einigen Beteiligten das pure Entsetzen. Nachdem die Politik sich vor fünf Jahren für ...
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Opernwelt August 2026
Rubrik: Editorial, Seite 1
von Jürgen Otten
Vor zwei Jahren inszenierte Thorleifur Örn Arnarsson in Bayreuth den «Tristan» in statischen Tableaus und düsteren Rätselbildern. Nun macht er sich in Zürich an den «Tannhäuser» und nimmt auch dieses Werk nicht auf die leichte Schulter. Auch wenn er Tobias Kratzers spritzige Bayreuther Inszenierung einmal zitiert, in der viel gelacht werden konnte, sieht er – wie...
Über Leichen wäre sie gegangen, notfalls über vier. Sieglinde, Siegmund, deren irdische Mutter und vielleicht auch Wotan hätte sie gern brennen sehen im Feuer einer Waldhütte: Fricka, Hüterin der Ehe, als Rachegöttin und zündelnde Kumpanin Loges, das ist eine brutale Schlusspointe, dokumentiert als Rückblende-Video, während sich das Orchester der Ziellinie...
Nicht alles war grausam im Theater von Antonín Artaud. Auch die (klingende) Poesie besaß dort einen Sitzplatz, vielleicht versteckt in einem Winkel der oberen Ränge, aber doch deutlich spürbar. Beleg ist jene Sentenz des französischen Schauspielers, Dramatikers und Theoretikers, mit dem er die Faszination und Magie der Darstellenden Künste, die an diesem Ort...
