Dieser vermaledeite Phallus
Der scheidende Genfer Intendant Aviel Cahn glitzert. Kleidungstechnisch zumindest. Er verbreitet zu Beginn des Abends gute Laune und weist schon auf die Gratis-Verköstigung nach Vorstellungsende hin. Spoilern wir: Es gibt Hotdogs. Das muss erwähnt werden, weil diese Speise zum vorher Erlebten passt. Viel Fett, viel künstliche Zutaten und natürlich erinnert die Hauptzutat an einen Phallus ... Den sehen wir oft und in diversen Formen auf der Bühne, gern kombiniert mit mäßig originellen Ideen.
Auftritt: Donald Trump.
Selbiger ist übergewichtiger als in der Realität und trägt einen Mini-Schniedel vor sich her. Irgendwann regnet es Ballon-Penisse vom Himmel. Eher höllisch wirkt eine gigantische Peniskanone, die aufs Publikum zielt, aber dann doch nicht abgefeuert wird. Dies ist das Schlussbild, welches Teile des Publikums auch kräftig abfeiern, allerdings nicht die Mehrheit. Wobei man sich im calvinistischen Genf auch nicht sehr empört über eine Inszenierung, die Frank Zappas (in dieser Form) im Jahr 2000 erstmals beim Holland Festival gezeigtes Musiktheater-Fresko «200 Motels» durch eher billigen Klamauk vergegenwärtigen will. Trump auf der Bühne, gähn! Penisse und Drag-Gehampel, ...
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Opernwelt August 2026
Rubrik: Panorama, Seite 59
von Jörn Florian Fuchs
Gott! Welch Dunkel hier! Was schon Beethovens bekleckerten Helden Florestan zutiefst bekümmerte (allerdings aus anderen Gründen und unter weit widrigeren Umständen), muss auch der Gast sich denken, der Anna Dreschers «Rigoletto»-Inszenierung in Tatjana Ivschinas Ausstattung im Badischen Staatstheater ansichtig wird. Viel Hoffnung gewährt das Regieteam uns nicht,...
Abschiede schmerzen. Besonders dann, wenn es sich bei der abschweifenden Person um die Angebetete handelt, mit der man noch wenige Minuten zuvor traulichvertraut beieinanderlag. Dem Titelhelden von Händels «Rinaldo» ist das Missgeschick, ausgelöst durch Armidas rustikales Eingreifen, widerfahren, Almirena (für immer und ewig?) aus seinem Gesichtskreis entschwunden....
Das Bekenntnis war entschieden, und es verwies auf das Beispielgebende eines Kunstwerks von höchstem Rang: «Büchners Vorlage», heißt es 1920 in einem Brief von Manfred Gurlitt an Erika Mann, «war seiner Zeit um Generationen voraus. Erst jetzt erfüllt sich das Leiden der Kreatur, die aller Ansprüche entkleidet, ohne eigentliche Existenz ist und im tiefsten...
