Editorial Opernwelt 4/26
Für eingefleischte Wagnerianer, die sich trotz winterlicher Kälte auf den Weg in die Hamburgische Staatsoper begeben hatten, wurde der 18. Januar 1998 zum Tag des Zorns. An diesem Abend trat die Sünde in die Welt, Sodom und Gomorrha gewissermaßen. Und all jene Jünger, die sich gottgleich im Besitz der Wahrheit wähnten, vereinten sich daraufhin zum erzreaktionären Mob, um den Scharlatan abzustrafen, der solche unsittlichen Ausschweifungen befohlen und damit ein Sakrileg begangen hatte.
Gegen ihn, den Luzifer der Opernregie, richtete sich ihre geharnischte, ja, beinahe biblische Wut, und also ließ die Prätorianergarde des Bayreuther Meisters bald nach dem Verhauchen des letzten Fis-Dur-Akkords ein Gewitter über das Haupt des Frevlers herniederfahren, auf dass sich die heiligen Hamburger Hallen in einen Gerichtssaal verwandelten. Peter Konwitschny hieß der Angeklagte, und er wurde von der Inquisition für schuldig befunden, hatte er doch die Dreistigkeit besessen, die hehre romantische Oper «Lohengrin» aus ihrer Verankerung zu reißen, sie in die wilhelminische (recte: präfaschistische) Epoche und dortselbst in ein Schulzimmer zu verlegen, in dem lauter unmündige Kaiserzeit-Kinder ...
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Opernwelt April 2026
Rubrik: Editorial, Seite 1
von Jürgen Otten
Nicht nur Afrika ist auf der Weltkarte der klassischen Musik eine terra incognita. Es wimmelt nur so von dunklen Zonen, unzähligen Orten und Ländern, die rein gar nichts von Bedeutung hervorgebracht zu haben scheinen. Oder bestenfalls einen bekannten Namen, ein populäres Stück. Verglichen mit Australien, Japan, Nahost und Afrika hat es Südamerika noch recht gut...
Die französischen Liedkomponisten zwischen Duparc und Poulenc, die über ihr Heimatland hinaus bekannt geworden sind, kann man an den Fingern einer Hand abzählen. Welch ungehobene Schätze sich dahinter verbergen, zeigen immer wieder CD-Veröffentlichungen, die von jenseits des Rheins kommen. Zwei junge Sopranistinnen – Julie Roset und Parveen Savart – machen da keine...
Herr Kerkhof, lieben Sie Beckett?
Aber ja, sogar sehr.
Warum?
Das lässt sich gar nicht so einfach sagen. Ich weiß nur, dass er mich seit vielen Jahren begleitet. Beckett war ein Autor, den ich als junger Mann unbedingt lesen und verstehen wollte.
Wann sind Sie seinen Stücken das erste Mal begegnet?
Mit 22, 23 Jahren. Wirklich wichtig wurde Beckett allerdings erst...
