Editorial Opernwelt 4/26

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Für eingefleischte Wagnerianer, die sich trotz winterlicher Kälte auf den Weg in die Hamburgische Staatsoper begeben hatten, wurde der 18. Januar 1998 zum Tag des Zorns. An diesem Abend trat die Sünde in die Welt, Sodom und Gomorrha gewissermaßen. Und all jene Jünger, die sich gottgleich im Besitz der Wahrheit wähnten, vereinten sich daraufhin zum erzreaktionären Mob, um den Scharlatan abzustrafen, der solche unsittlichen Ausschweifungen befohlen und damit ein Sakrileg begangen hatte.

Gegen ihn, den Luzifer der Opernregie, richtete sich ihre geharnischte, ja, beinahe biblische Wut, und also ließ die Prätorianergarde des Bayreuther Meisters bald nach dem Verhauchen des letzten Fis-Dur-Akkords ein Gewitter über das Haupt des Frevlers herniederfahren, auf dass sich die heiligen Hamburger Hallen in einen Gerichtssaal verwandelten. Peter Konwitschny hieß der Angeklagte, und er wurde von der Inquisition für schuldig befunden, hatte er doch die Dreistigkeit besessen, die hehre romantische Oper «Lohengrin» aus ihrer Verankerung zu reißen, sie in die wilhelminische (recte: präfaschistische) Epoche und dortselbst in ein Schulzimmer zu verlegen, in dem lauter unmündige Kaiserzeit-Kinder ...

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Opernwelt April 2026
Rubrik: Editorial, Seite 1
von Jürgen Otten

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