Leichter werden, schwerer sein
Die französischen Liedkomponisten zwischen Duparc und Poulenc, die über ihr Heimatland hinaus bekannt geworden sind, kann man an den Fingern einer Hand abzählen. Welch ungehobene Schätze sich dahinter verbergen, zeigen immer wieder CD-Veröffentlichungen, die von jenseits des Rheins kommen. Zwei junge Sopranistinnen – Julie Roset und Parveen Savart – machen da keine Ausnahme, sondern warten in ihren ersten Solo-Alben mit einer Entdeckungsreise voller Überraschungen auf.
Beide gehen von Debussy aus, finden aber sonst ganz unterschiedliche Facetten stimmlicher und emotionaler Vielfalt zwischen Ekstase und Melancholie. Roset, Operalia-Preisträgerin 2023, besitzt die fertigere Stimme, ist die perfektere Gestalterin; Savart agiert stimmlich herber, körniger, besitzt aber den weiteren Radius und ein waches Sensorium für das, was die Mélodie, das französische Lied, an extremen Nuancen meist nur andeutet und nicht ausspricht.
Rosets Programm, die im Gleichklang mit ihr harmonierende Begleiterin Susan Manoff sagt es, «ist optimistisch»: eine von keiner Desillusionierung angekratzte Hommage an die Liebe, an die Frauen und das Leben. Mit ihrem hellen, hohen, ohne Kanten und Schärfen geführten ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt April 2026
Rubrik: Medien, Seite 38
von Uwe Schweikert
Am Anfang war das heilige Wort, am Ende steht das losgelassene Mundwerk: Auf diese laxe Formel könnte man die 1000-jährige Entwicklung von der einstimmigen Gregorianik zur experimentellen Avantgarde der Gegenwart bringen, die das Wort zertrümmert, seine Semantik negiert und es in seine phonetischen wie akustischen Bestandteile zerlegt. Das Singen selbst wird zu...
Der französische Künstler-Agent Olivier Lalane hat einen Komponisten entdeckt und, weil er ihn für ein vergessenes Genie hält, gleich ein Label gegründet, das auf zwei CDs eine Auswahl seiner Lieder und Kammermusik vorstellt. Die Recherche zur Person von Oskar C. Posa (1873–1951) dokumentiert Lalane in einem ausführlichen, mit vielen Text- und Bilddokumenten...
Dass Pjotr Iljitsch Tschaikowsky schwul war, ist selbst im lebensbedrohlich homophoben Russland kein Geheimnis mehr, auch wenn diese Facette seines Lebens dort nicht nur von konservativen Kreisen lautstark angezweifelt wird. Im Krisenjahr 1877, als er bereits über seinem «Eugen Onegin» brütete, heiratete Tschaikowsky eine seiner Schülerinnen, um den...
